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ROMANO CENTRO Nr. 35, 12/2001


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Der blinde Teufel

von Namaztataj Umer kyzy Suinov

Es war und es war nicht ein Rom-Schmied. Der Rom hat geschmiedet, aber seine Werke sind ihm nicht gelungen. Da sagte er immer "Deine Mutter...du blinder Teufel".
Da ist der Teufel langsam sehr ärgerlich geworden und wollte schliesslich dem Rom etwas antun. Er verwandelte sich in einen fünfzehnjährigen Knaben, kam zum Rom und fing an ihn zu bitten, er solle ihn zur Arbeit nehmen. "Wo denkst du hin?", sagte der Rom. "Ich habe kein Geld, das ich Dir bezahlen könnte, ich lebe selbst ganz dürftig und schlecht". Der Bub (das war ja der Teufel) spricht darauf: "Ich brauche das Geld nicht - ich komme fürs Brot um das Schmiedehandwerk zu lernen."
Also arbeitet er zehn Jahre bei dem Rom. Wie der Feiertag kommt, frägt ihn der Rom: "Na, hast du denn keine Familie, weil niemand kommt nachzuschauen, wie du bei mir lebst?" "Doch, schon", sagt er, "einen alten Vater, er wird auch kommen".

Der Vater ist wirklich gekommen. Der Rom sieht ihn und frägt den Jungen: "So alt ist dein Vater?" "Das macht nichts, ich werde aus ihm einen jungen Mann machen!" "Aber wie willst du denn das machen?" - "So, ich werde das Messer nehmen, ihn in Stücke schneiden, in den Kessel legen, ein bissl kochen und das ist es!" - "Eh, das glaub ich dir nicht!" - "Na, schau nur zu!"
Der Bub nahm seinen Vater, schnitt ihn in kleine Stücke, tat ihn in den Kessel und - da kommt wirklich aus dem Kessel ein junger, zwanzigjähriger Mann, setzt sich an den Tisch, isst Fleisch, trinkt mit ihnen Vodka und geht wieder.
Nicht weit von dem Romhaus lebte eine Tatarin, deren Ehemann sehr alt war und seine ehelichen Pflichten nicht mehr erfüllen konnte. Das brauchte sie aber, denn sie war so eine starke Frau. Sie kam gerade in dem Augenblick zum Rom, um sich ihre Sense reparieren zu lassen, fand die Türe verschlossen und beobachtete durchs Fenster alles, was der Bub mit dem Vater gemacht hat. Da wünschte sie sich, daß der Rom auch aus ihrem Mann so ein junges Mannsbild machen solle.

In der Früh kommt sie also zum Rom: "Guten Tag, Meister". "Guten Tag, liebe Frau." - "Ich möchte, daß du aus meinem Ehemann einen jungen machst, der dann kommt und sich wie ein Ochs hinlegt!" - "Ich kann das nicht, liebe Frau, ich verstehe solche Arbeit nicht. Geh zum Arzt!" "Wenn du mir das nicht machst, werde ich alles den Polizisten erzählen. Ich hab nämlich gesehen, wie ihr das mit dem Alten gemacht habt". - "Na gut, dann bring ihn eben zu mir, deinen Mann!" Sie brachte dann wirklich ihren Ehemann zu ihm. Der Helfer vom Rom schnitt ihn in Stücke, tat ihn in den Kessel und sprach: "Da soll er eine Stunde drin bleiben, ich gehe derweil spazieren." Und er ging spazieren.
Der Rom wartet eine Stunde, zwei Stunden, drei, vier - es ist schon spät und dunkel. Der Bub kommt aber nicht daher. Der Rom schaut immer wieder in den Kessel. Dort ist der Alte schon ganz gekocht, die Knochen haben sich bereits vom Körper gelöst. Der Rom bekommt einen Schreck, nimmt alles und gießt es aus. Die Polizisten sollen nicht denken, er habe den alten Tatar ermordet.
Da kommt die Tatarin und frägt: "Wo ist mein Ehemann?" - "Er ist nicht da, dein Mann ist tot". Da lief sie und erzählte alles den Polizisten. Da kamen zwei Polizisten, verhafteten den Rom und steckten ihn ins Gefängnis. Dort sitzt der Rom und weint. Da kommt der Teufel zu ihm in die Zelle und der Bub spricht ihn an, "Gut, Rom, wirst du weiter über mich solche Worte sagen, das habe nämlich ich dir alles angetan!"
Der Rom wurde nach zehn Jahren entlassen und seit damals hat er nie wieder etwas Schlimmes über den Teufel gesagt. Wo das war, habe ich ja gesagt.

Erzählt von Namaztataj Umer kyzy Suinov, geb. 1888 in Dzhankoj, Krim, aufgezeichnet von Lev Cherenkov in Moskau 1959.

ROMANO CENTRO Nr. 35, 12/2001


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Letzte Änderung am 06/01/07