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ROMANO CENTRO Nr. 30, 09/2000


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Frau S. G. aus Orasje / Ariste berichtet

Mein Name ist S. G. Ich bin 32 Jahre alt und wurde in Djakovica geboren. Ich habe sechs Kinder. Ich trau mich nicht, irgendwo hin zu gehen. Die Albaner sagen: "Hier ist nicht euer Platz, verschwindet von hier! Verlaßt diesen Ort, denn ihr wart mit den Serben verbündet." Es stimmt, wir teilten ein Dorf mit ihnen. Sie lebten unten und wir lebten weiter oben. Wir hatten mit den Serben auch Arbeitsplätze, wo wir zusammengearbeitet haben.
Als ich aus Podgorica zurückkam, war ich hochschwanger. Die Albaner kamen in meinen Hof und wollten uns umbringen. Sie wollten meinen Mann ermorden. Ich mußte meinen Mann verstecken. Ich, hochschwanger und mit fünf Kindern. Als sie weggingen sagten sie: "Wir kommen wieder." Alles was ich hatte, haben sie mir genommen. Ich ging ins Haus, da war nichts mehr, kein Geschirr, nichts, niemand, der uns half.

Photo: M. HeinschinkAls ich ging, um diese schwer kochbaren Bohnen zu holen, sagten die Albaner: "Warum kommt du hierher? Geh zu den Serben und holt dir dort was!" Die Serben aber sagen: "Du bist mit den Albanern!" Mit wem also sollen wir jetzt? Wenn wir zum Albaner gehen, sagt der Albaner: "Verschwinde hier, gehe zum Serben, denn für ihn hast du gestimmt." Wenn wir zum Serben gehen, sagt dieser: "Verschwinde von hier, geh zu den Albanern, denn du bist derjenige, der uns an die Albaner verkauft!" Wir wissen nicht, wo wir hingehen sollen. Wenn der Winter kommt, haben wir kein Holz, kein Geld und nirgends finden wir Arbeit. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Niemand hilft. Alle Hilfslieferungen wurden komplett gestoppt und jetzt haben wir gar nichts. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Kinder zu nehmen und von hier zu flüchten.

Ich weiß nicht, wie ich hier ohne Arbeit leben kann. Die Kinder verlangen nach Essen. Schau, wie dünn sie sind! Was soll ich ihnen zu essen geben? Ich weiß nicht was ich tun soll. Unsere Leute sind in Podgorica. Wenn sie hierher kommen, dann bringen die Albaner sie um, denn sie suchen sie. Jetzt weiß ich wirklich nicht, was ich tun soll. In der Nacht sind wir nicht frei und am Tag auch nicht. Gehen wir in die Stadt, dann sagen sie zu uns: "Du bist ein Zigeuner, was suchst du? Meine größte Angst ist, daß mein 12jähriges Mädchen geschlagen und vergewaltigt wird. Das ist meine größte Angst. Und daß sie bei uns eindringen und meinen Mann umbringen. Denn sie sagen: "Wir sind bereit euch zu töten." Die Kinder sind verängstigt. Die Albaner nehmen Messer und schüchtern unser Kinder ein: "Wir werden euch umbringen." Das ist meine große Angst. Sie sagen auch: "Wir bringen euch um, wir zerstückeln euch." Ich fürchte mich mit dem Autobus zu fahren. Zum Ðjurdjevdan und Bajram (Festtage bei den Roma) habe ich meine Familie nicht besucht. Ich fürchte mich davor, daß, wenn ich mit den Kindern hinausgehe, wir geschlagen werden. Vor eineinhalb Monaten wurde hier direkt am Marktplatz ein Rom ermordet.

(Tonbandmitschnitt, transkribiert und aus dem Romanes übersetzt von Mozes Heinschink)

Die Albaner sagen: "Hier ist nicht euer Platz, verschwindet von hier! Verlaßt den Ort, denn, ihr wart mit den Serben!"

Photo: M. Heinschink

ROMANO CENTRO Nr. 30, 09/2000


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Letzte Änderung am 06/01/07