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Der Hodža im Wald
von Fatma Heinschink
Es war einmal ein Hodža. Er ging mit seinem Freund in den Wald wandern. Als sie nun wandern, sagt sein Freund: "Ach Gott, Hodža! Schau was für ein großer Wald das ist! Nachts fürchtet man sich, hierzubleiben!" Da sagt darauf der Hodža: "Warum soll man sich vor dem Wald fürchten? Das ist kein Grund zur Angst!" Darauf der Freund: "Gut, machen wir es so: bleib du diese Nacht hier, bis zum Morgen. Wenn du diese Nacht hierbleibst, will ich dich morgen abend in mein Haus einladen, Fleisch kochen, und wir essen. Aber wenn du nicht bleibst, wenn du dich fürchtest, dann mußt du das Essen kochen, und ich komme am Abend und esse bei dir!" - "Gut", sagt darauf der Hodža. Also bleibt er jene Nacht dort. Die ganze Nacht bleibt er. Er sitzt unter einem Baum und harrt die ganze Nacht aus.
Am nächsten Morgen kommt sein Freund und sieht: Der Hodža ist dort, er sitzt unter dem Baum. "Ah, Hodža!", sagt er, "hast du die ganze Nacht ausgeharrt?" - "Jawohl, ich bin hier geblieben", sagt dieser. "Aber, sprich die Wahrheit", sagt jener, "hast du gar kein Licht gesehen?" - "Oh, es war ein Licht, aber es ist vielleicht fünfhundert Kilometer weit weg, ein Haus, eine Hütte. So weit weg, schau, dort ist ein Haus. Dessen Licht habe ich von Ferne gesehen, im Fenster; als man die Lampe anzündete, sah ich ein Licht." - "So hast du das Essen verloren! Nun ist es ausgemacht, daß wir bei dir essen!" - "Und warum?", fragte der Hodža. "Was heißt: 'warum'? Das Licht ist von dort bis hierher zu dir gekommen, deswegen hattest du keine Angst! Du bist im Licht gesessen, die ganze Nacht!" - "Gut," sagte da der Hodža.
Sie brechen auf und gehen heim, der Hodža schläft bei sich zu Hause; nun gut, der Abend bricht an. Er nimmt einen Kessel, geht hinaus und hängt ihn an den Baum. Unter dem Kessel entzündet er eine Kerze, dann gibt er Wasser und Bohnen hinein und wartet nun, daß das Essen kocht. Er sitzt im Haus, da kommt sein Freund: "He, Hodža, wo ist das Essen?" - "Das Essen kocht noch. Setz dich! Warten wir auf das Essen, es kocht noch." Sein Freund setzt sich also. Er sitzt und sitzt und sitzt, es vergeht eine Stunde. "Ah, Hodža, wo ist das Essen?!" - "Es kocht noch." Wieder setzt er sich nieder, wieder vergehen ein, zwei Stunden. Es wird zwölf Uhr, Mitternacht. Kein Essen! "Also, lieber Hodža", sagt jener nun, "steh einmal auf, daß ich dieses Essen sehe! Was ist das für ein Essen, das bis jetzt nicht fertig gekocht ist!" - "Los, komm!" Er nimmt ihn mit hinaus in den Garten, in den Hof: "Hier ist das Essen. Es kocht noch." Als sein Freund nun das sieht, schreit er: "Von dieser Kerze hier kann so viel Essen in so einem Kessel ja niemals kochen!" - "Ach, du Dummkopf," sagt darauf der Hodža, "wenn auch ein Licht von fünfhundert Kilometer Entfernung herkommen kann, wie kann so ein Essen von dieser einen Kerze nicht gekocht werden?!" - Dort bin ich gewesen, hierher bin ich gekommen.
"Wenn auch ein Licht von fünfhundert Kilometer Entfernung herkommen kann, wie kann so ein Essen von dieser einen Kerze nicht gekocht werden?!"
Photo: C. Heynen, R. Erich
ROMANO CENTRO Nr. 29, 06/2000
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