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ROMANO CENTRO Nr. 28, 03/2000


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Die zwei Totengeister

von Đemo Mitrović

Einmal als wir ein Dorf erreicht hatten, hielten wir seitlich auf der Wiese eines Bauern. Ich ging zu seinem Haus und fragte ihn: "Kannst du mir eine Wiese zur Verfügung stellen, daß ich meine Wagen dort abstelle?" - "Dort, fahr noch ein Stückchen weiter, siehst du, wo die zwei Gräber sind, bei dem breiten umzäunten Platz?" - "Ich habe doch kleine Kinder!" protestierte ich. "Tut mir leid," sagte er, "ich habe keinen anderen Platz frei für dich." Es stimmte. Bei einer großen breiten Weide, die eingezäunt war, standen zwei alte Gräber.

Photo: WilliencourtAn jenem Abend, als es dämmerte, gingen meine Schwiegertochter und die Tochter meines Hanamik (d.h. der Vater meiner Schwiegertocher) und eine zweite Schwiegertochter, die meines Bruders, Wasser holen. Als sie zurückkamen, sagte die Schwiegertochter meines Bruders: "Ich habe etwas gesehen, bei dem Brunnen dort schlug etwas auf den Boden." Ich lachte. "Was soll da auf den Boden schlagen, was hast du gesehen?" "Mit meinen Augen habe ich nichts gesehen, aber es war ein Klopfen auf der Erde." - Als die Nacht hereingebrochen war, legten wir uns schlafen, jeder in seinem Zelt. Plötzlich begann das Pferd meines Hanamiks, das etwas weiter entfernt von den Wagen angepflockt war, zu scheuen. Was war los? Das Pferd versuchte, sich loszureißen. Ich rief meinen Sohn. "Steh auf und sieh nach, was das Pferd hat, warum es scheut!" Er stand auf. Das Pferd scheute stark und schnaubte heftig aus den Nüstern. Mein Sohn sagte: "Das hat es noch nie gemacht. Es hat vor irgendetwas Angst!"

Photo: WilliencourtAls wir uns vorsichtig näherten, bemerkten wir einen großen Schatten. Er war riesig, über 50 Meter lang und 10 Meter breit! Er huschte von unseren Zelten weg. Meine Frau sagte: "Schau, Ðemo, dieser Schatten!" - "Das kommt" beruhigte ich sie, "vom Feuer, das die Bauern gemacht haben". Aber nach ca 20 Minuten warf sich der Schatten über unser Zelt. Wir dachten, die Kinder trieben einen Schabernack. "Setzt euch hin!" brüllte ich. Einer der Burschen hieß Bango. "Bango, rühr dich nicht, oder ich bring dich um!" Er hatte zwei Jagdgewehre. "Ich bewege mich doch überhaupt nicht!" schwor er. Da dachten wir noch, es wäre wirklich nichts. Aber dann bewegte sich der Schatten weiter und richtete sich plötzlich auf - und Bango schoß zweimal auf ihn. Da erkannte ich plötzlich deutlich zwei uniformierte Männer. Sie hatten Helme auf dem Kopf, und hatten sich aus dem Schatten, den wir gesehen hatten, verwandelt. Sie waren ca. fünf Meter weit voneinander entfernt und marschierten im Gleichschritt wie unter militärischem Kommando. Sieben, acht unserer Leute sahen sie dann auch. Die Schatten bewegten sich vorbei, aber dabei erfaßte ein Windstoß meinen Sohn und er begann vor Angst zu schreien. Ich sprang hin und hielt ihn fest und sagte damit sich das Kind nicht mehr so fürchtete: "Hab keine Angst, das ist nichts Wirkliches, was du glaubst, unsere zwei Gänse hinter dem Zelt haben mit den Flügeln geschlagen!". Doch auch ich hatte die zwei Menschen wirklich genau gesehen. Ein Toter kann sich in eine Uniform verwandeln und erscheint dann wie ein Mensch.

Wir schliefen die ganze Nacht nicht mehr. Mein ältester Sohn und jener Bango blieben auf, aber wir hatten kein Holz für Feuer und kein Licht. Bango kletterte auf einen Baum und brach ein bißchen Holz ab - er ist ein sehr geschickter Bursch. "Keine Angst!" rief er, "ich bringe Holz, und ich erschieße dieses Gespenst!" - "Um Gottes Willen, nicht!" sagte ich. Die Kugeln könnten sich nämlich abwenden und ihn selbst treffen. Er lachte: "Keine Angst! es gibt Schnaps, soviel du willst!" Und er trank einen Schnaps und mein Sohn ebenfalls, und dann brieten sie sich noch ein Huhn - tot will ich umfallen, wenn das gelogen ist!

Es war Sommer, die Nächte waren kurz und wir wachten bis Tagesanbruch. Dann, in der Früh, fragte ich meinen Hanamik: "Išman, was glaubst du, sollen wir hier bleiben?" Er meinte "No, sei nicht so ängstlich! Ich habe keinen Menschen gesehen!" Aber seine Frau sagte: "Ich habe sie gesehen, Išman, ich bleibe hier nicht, selbst wenn du mir ein Königreich dafür schenkst". Ich sagte: "Hör zu: Die Fässer und das Geld, das ist mir alles egal, wir fahren weg, ich verbringe hier keine Nacht mehr. Ich hab sie mit eigenen Augen gesehen, ich bleibe keine Nacht mehr hier!" - "Wie du willst. Dann fahren wir eben, pfeif drauf." - Wir packten zusammen und fuhren ab, fünfundzwanzig Kilometer weiter. Als wir dort in ein Dorf kamen, lagerten wir und aßen. Aber mir saßen der Schock und die Angst vor jenem Platz noch in den Knochen.
Und heute noch denke ich oft und voller Angst an diese Nacht zurück und hoffe, daß so etwas nie wieder passiert. Möget ihr gesund und glücklich sein, Brüder und Freunde!

"Ich bin nun 56 Jahre alt und wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glauben, aber es ist wahr."

Photo: Williencourt

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Letzte Änderung am 06/01/07