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GLÜCK UND VERSTAND
von Fatma Heinschink
Glück und Verstand trafen einander. "Wer bist denn du?" "Ich bin der Verstand, und du?" "Ich bin das Glück." Und die beiden beschlossen: "Machen wir uns auf, um zu schauen, wer uns beide braucht, Verstand und Glück!" Und sie brachen auf, um jemanden zu suchen, der unglücklich war und auch keinen Verstand hatte. Und sie gingen und gingen. Sie kamen in ein Dorf und fragten: "Wer ist hier unglücklich und ohne Verstand?" "Niemand", antwortete man ihnen. "Gut, gehen wir noch ein Stück weiter."
Auf ihrem Weg kommt ihnen ein Ochsenwagen entgegen. Da bleibt das Glück auf der einen, und der Verstand auf der anderen Seite. Und das Glück ruft zum Verstand hinüber: "Geh zur Seite!" Aber da gerät der Verstand durcheinander und kommt unter das Wagenrad. Er wird zerquetscht und stirbt.
Von nun an sind das Glück und der Verstand getrennt. Und darum ist ein Mensch, der gescheit ist, unglücklich. Er hat kein Glück. Der aber glücklich ist, hat meist keinen Verstand. So gibt es eben Menschen, die haben Glück und solche, die haben Verstand. Aber beide zusammen findest du schwer in einer Person. Dort bin ich gewesen und von dort bin ich gekommen.
"Ich würde ein Lied davon singen, was mit uns geschah,
aber ich kann nicht. Mit der Geige würde ich erzählen, was mit uns geschah,
aber ich kann nicht, denn ich bin alt und meine Hände zittern ..." (Dragan Jevremović)
Photo: Renata Erich
ROMANO CENTRO Nr. 22, 09/1998
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