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Probleme, Probleme, Probleme.
Es wird uns wirklich nicht leicht gemacht, in der Gadsche-Welt zu überleben. Würden wir uns mit den am schlechtesten bezahlten Arbeiten zufrieden geben und ab und zu für einen Kongreß dankbar sein, mit dem die Gadsche ihr Gewissen beruhigen - wäre dann vielleicht alles in Ordnung? Wohl kaum, solange sich unsere Lebensweise von der ihren unterscheidet, finden sie immer noch einen Anlaß uns fertig zu machen, wie in der wahren Geschichte aus alten Zeiten:
Ein Rom, mit seiner Familie unterwegs, schlägt am Rande einer kleinen Stadt seine Zelte auf. Er ist Kupferschmied, macht ein kleines Feuer und beginnt zu arbeiten. Die Frau bereitet das Essen für ihn und die fünf Kinder. Es braucht nicht lang, da kommen drei Polizisten: "Wer seid ihr, was macht ihr da, woher kommt ihr?" Und zum Vater: "Zeig deinen Ausweis!" "Gern, ich komm gleich." "Gleich? Keine Widerrede, sofort her mit dem Papier!" Der Rom zieht es aus der Tasche und reicht es der Polizei. "Wieso ist der Ausweis so schmutzig, kannst du auf Dokumente nicht aufpassen?!" Darauf der Rom: "Ihr habt den Ausweis doch verdreckt!"
"Wir? Schau meine sauberen Hände an, wie soll ich denn das gemacht haben?" "Das kann ich dir schon erklären, wenn ich mit meiner Arbeit aufhöre und meine Hände säubern will, brüllst du mich an, ich muß dir sofort das Papier zeigen. Ich hab nun einmal eine Arbeit, die schwarze Hände macht. Wer also ist dran schuld, daß mein Ausweis so schmutzig ist, ihr Polizisten, sonst niemand!" Der schlagfertige Rom hat an seiner Seele keinen Schaden genommen, was aber, wenn Gadsche ihre Übermacht so ausnützen, daß sie mitten in unsere Familien hineinregieren?
Dazu ein Fall, der uns nun schon seit vielen Monaten beschäftigt und empört: Dejan Simic ist österreichischer Staatsbürger, er hat vier Kinder, wir kennen seine große Familie seit langem. Eines Morgens steht die Polizei vor seiner Türe und nimmt ihm wegen Verdachts auf sexuellen Mißbrauch alle Kinder weg. Schmutzige Wäsche und widersprüchliche Aussagen eines der Kinder hatten die Aktion ausgelöst. Ob da etwas und wenn, was vielleicht vorgefallen ist, war nicht zu klären. Gott sei Dank hatte keines der Mädchen seine Unschuld verloren. Dejan wohnt mit Frau und Kindern zwar in einer Gemeindewohnung, seine Eltern, die Großeltern, Onkeln und Cousins der Kinder aber leben in desolaten Unterständen, für die sie teure Miete bezahlen. Dort trifft sich die Großfamilie oft. Sauber kann es dort gar nicht sein, auch die Kinder nicht, wenn sie mit ihren vielen Cousinen und Cousins spielen, und Feste gefeiert werden.
Dejan wird angeklagt, aber mangels an Beweisen freigesprochen. Er bietet an, auch schuldlos ins Gefängnis zu gehen, wenn nur die Kinder wieder nach Hause dürfen. Drei Mädchen sind aber nun schon ein Jahr im Heim. Das zuständige Jugendamt hält die Eltern bis heute für "uneinsichtig" und verweigert die Zustimmung, obzwar die Eltern angeboten haben sich, angesagt oder unangesagt, überwachen zu lassen, selbst freiwillig bereits eine Familientherapie machen und ständig um Auskunft darüber ersuchen, was noch sie tun sollen.
Wäre "Einsicht" nur ein Eingeständnis von sexuellem Mißbrauch, das sie beim besten Willen nicht erbringen können, oder paßt den Gadsche nur das Leben der "Zigeuner" nicht? Was stört sie denn?
Der Grund dafür, daß wir Roma so oft vorverurteilt werden, ist wohl, daß wir anders miteinander umgehen als die Gadsche. Unsere Familien halten und leben zusammen, oft auch in einem Zimmer, die Kinder leben mit uns, sie werden nicht in der Art zurecht gewiesen und isoliert wie der Kinder der Gadsche. Wir lassen sie mitfeiern, lernen, was sie lernen, und mitarbeiten, was sie mitarbeiten wollen. Ist das verboten, wenn wir kein Gesetz übertreten?
Wären alle plötzlich Gadsche,
müßten die Gadsche dann wohl Prügelknaben
unter den ihren suchen.
Photo: Dragan Jevremović
ROMANO CENTRO Nr. 21, 06/1998
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