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WOHIN GEHÖREN DIE BOSNISCHEN ROMA?
Immer noch gibt es sehr wenig konkrete Nachrichten über das Schicksal der Roma in Bosnien. Was bisher an die Öffentlichkeit gedrungen ist, sind sehr allgemeine Stellungnahmen von Menschen, die entweder wenig wissen oder sich aus irgendeinem Grund nicht getrauen zu reden.
Alarmierend ist der Bericht der Journalistin Claudia Schäfer, die kürzlich in Sarajevo gewesen ist: Der Vertrag von Dayton wird in Bosnien nur teilweise erfüllt. Vor allem sind bis heute heimkehrende Serben fast nur im serbischen Teil, Moslems im moslemischen Teil und Kroaten im kroatischen Teil willkommen. Da Roma keiner dieser Ethnien angehören, werden sie nirgends akzeptiert und fallen überall durch den Rost, egal aus welchen Dörfern sie stammen. Die Behörden weigern sich oft sie überhaupt zu registrieren und schon bei den Bosnischen Botschaften haben Roma Schwierigkeiten Pässe zu bekommen. So kommen die meisten auch nicht in den Genuß von staatlicher Unterstützung.
Die Caritas kümmert sich in Bosnien um Kroaten, die moslemischen Hilfsorganisationen um die Moslems und die serbischen um Serben - für Roma gibt es keine Hilfsorganisation.
Ende Februar gaben die bosnischen Ombudsleute in Wien eine Pressekonferenz. Sie gehören den drei großen Volksgruppen an, wurden 1994 von der OSCE als unabhängige Anlaufstelle für bosnische Bürger eingesetzt und arbeiten eng zusammen. Einhellig sind sie der Meinung, daß nicht nur die etwa 120.000 Flüchtlinge, die zum Beispiel nur nach Sarajevo zurückkehren wollen, ein Problem seien, das niemand haben will. Wohin will Deutschland die bosnischen Roma ausweisen und was hat Österreich mit ihnen vor?
Gleichzeitig berichten die Ombudsleute von 170.000 Menschen allein in der Stadt Sarajevo, die in ihre ursprüngliche Heimat nicht zurückkönnen. Sie wurden in verlassene Wohnungen einquartiert, die von Rückkehrern nun aber wieder beansprucht werden. Eine verzweifelte Romafamilie, die so von einem Tag auf den anderen die Wohnung verloren hatte, war einer der ersten Eindrücke, die Claudia Schäfer aus Sarajevo mitbrachte.
Um die etwa 60.000 bosnischen Roma hat sich die Öffentlichkeit nie gekümmert! Nun ist auch ganz Bosnien aus den Schlagzeilen verschwunden.
Photo: Dimitris Argiropoulos
ROMANO CENTRO Nr. 20, 01/1998
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