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DER ROM UND DER TEUFEL
von Ceija Stojka
Ein Rom wurde einmal eingesperrt, daraufhin gingen drei Romnja in der Nacht in einen großen Wald zu einer Wegkreuzung, nahmen das hintere Rad aus dem Wagen heraus und ließen es den Berg hinunter und hinauf auf diese große Kreuzung rollen. Sie beschworen den Teufel, daß er herauskäme, um ihnen zu helfen, den eingesperrten Rom zu befreien. Über kurz oder lang, während das Rad von der einen alten Romni zur anderen rollte, kam der Teufel aus der Erde heraus: "Was wollt ihr von mir? Warum gebt ihr mir keine Ruhe?" "Höre nun, Teufel, was wir von dir wollen: Man hat unseren Sohn eingesperrt, und die Kinder weinen, sie haben nichts zu essen und niemanden, der mit den Pferden fährt. Du mußt helfen, daß man den Rom freiläßt!" "Und was werdet ihr mir dafür geben?" "Was du willst, das geben wir dir, Teufel, nur damit der Rom aus dem Gefängnis kommt, in dem er eingesperrt ist. Die Gadsche haben ihn beschuldigt, daß er ein Pferd gestohlen hat."
Darauf sagte der Teufel: "Gut, ihr Frauen, geht nach Hause und wartet bis zum Morgen, bis der Hahn das erste Mal zu krähen beginnt. Eine halbe Stunde danach wird euer Bursche nach Hause kommen. Aber was werdet ihr mir dafür geben, daß ich das für euch mache?" "Was willst du von uns, Teufel, Herr, eure Hoheit?" "Ich möchte die Seele des Kindes, das dem Rom bald geboren wird!" Da begann die junge Romni zu weinen: "Aber warum willst du mein Kind? Wünsch dir etwas anderes!" "Ich will nur dieses, daß der Sohn, der geboren wird, mir gehört!" Die alte Romni sagte: "Na gut, so wird es sein!" Denn die alten Zigeuner glaubten an so etwas nicht! Und sie gingen nach Hause, und legten sich nieder. Am nächsten Morgen begann der Hahn zu krähen: "Kikeriki". Die Frauen sitzen auf dem Wagen, und wer kommt nach Hause? Der Rom kommt pfeifend seines Wegs.
Die Rom vergaßen diese Sache und zogen weiter. Sie spannten die Pferde ein, fuhren, kochten und handelten, und das, was sie dem Teufel versprochen hatten, vergaßen sie. Und es kam die Zeit und die Romni ging und gebar einen großen, wunderbaren Sohn. Da kam der schwarze Mann, der Teufel, und sagte: "Aber jetzt gehört das, was ihr mir versprochen habt, mir! Ihr müßt es mir geben, ob ihr wollt oder nicht!"
Da sagte das Mädchen: "Ich gebe meinen Sohn nicht her!" Sie riß sich ihre Haare aus, auch die anderen Frauen weinten und schrien: "Oh Gott, was sollen wir tun?" Nach einer Weile sagte der Teufel: "Na gut, ein Wort gebe ich euch frei! Ihr dürft euch irgendetwas aussuchen!" Da kommt der Sohn der Alten dazu und sagt: "Wenn du einen Stein so weit wie ich wirfst, Teufel, dann gehört das Kind dir! Wenn ich ihn aber weiter werfe, dann gehört das Kind mir!"
Der Teufel schaut auf den Rom, auf die Familie und auf den schönen Knaben, und sagt sich: "Da es mit den Zigeunern ausgemacht ist und das Gesetz so geht, daß sie einen Wunsch frei haben, muß ich es zulassen. Gut, so soll es sein!" Die alte Romni gibt ihrem Sohn einen Vogel in die Hand. Und der Teufel nimmt einen Stein. Er nimmt einen Anrand über den Fluß, über die Straße, auf die Wiese und wirft den Stein. Er schleudert ihn so, daß der Stein pfeift. Dann hebt der Rom an, nach dem Teufel kommt er dran, nicht?! Und er fängt an zu laufen mit seinen kleinen Füssen, der Rom. Er läuft, der Hut fliegt davon, die Peitsche fliegt davon, und dann läßt er den Vogel aus. Der Vogel flog für immer davon und kam niemals wieder. So blieb das Kind bei ihnen. Und der Teufel fuhr in eine schwarze Wolke. Das war einer Geschichte von meiner Großmutter.
Da kam der Teufel und sagte: "Was ihr versprochen habt, gehört jetzt mir!"
Photo: Luciano Natarini
ROMANO CENTRO Nr. 20, 01/1998
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