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DIE ALTE FRAU UND DIE ZIEGE
Ein Romamärchen aus Bessarabien
von Lev Čerenkov
Es war und es war nicht. Wäre es nicht gewesen, könnte man es nicht erzählen. Es war einmal in einem Land, sehr weit von hier, über sieben Meere, ein alter Rom. Er wohnte mit seiner alten Frau und seinen verheirateten Söhnen und lebte sehr arm. Einmal ging seine Frau auf einem Weg und fand eine Kupfermünze. Als sie wieder nach Hause kam, sagte sie dem alten Rom: "Alter, gehen wir eine Ziege kaufen! Ich werde sie dann melken, sie wird uns Milch geben und wir können damit unsere Enkelkinder ernähren." So taten sie dann auch. Der Rom ging, brachte eine Ziege nach Hause und stellte sie in den Stall. Am frühen Morgen kam die Alte um das Tier zu melken, aber die Ziege gab ihr keine Milch und sagte: "Ich werde dir solange keine Milch geben, bis du nicht alle Löcher in den Wänden verstopft hast, weil der Wind hereinbläst. Ich habe Angst mich zu erkälten und krank zu werden."
Da ging die Alte zum Hammel: "Oh Hammel, gib mir bißchen Wolle, daß ich die Löcher im Stall zustopfen kann, damit sich meine Ziege nicht verkühlt und mir Milch gibt". Der Hammel sprach: "Ich gebe Dir meine Wolle nicht, weil ich mit meiner nackten Haut nicht erfrieren will!" Da ging die Alte zum Wolf. "Oh Wolf, geh den Hammel fressen, ich brauche seine Wolle, daß ich die Löcher im Stall zustopfen kann, auf daß die Ziege mir Milch gibt." Der Wolf aber sagte: "Ich will den Hammel nicht fressen, ich bin satt".
Darauf ging die Alte zum Feuer: "Oh Feuer, brenn den Wolf, daß er den Hammel frißt und ich mit dessen Wolle die Löcher im Stall zustopfen kann und die Ziege mir Milch gibt." Das Feuer sprach: "Ich will den Wolf nicht brennen, weil das würde sehr stinken". Da ging die Alte zum Wasser: "Oh Wasser geh das Feuer löschen, es soll den Wolf brennen, der den Hammel fressen soll, daß ich Wolle zum Zustopfen der Löcher im Stall bekomme und die Ziege mir endlich Milch gibt." Das Wasser aber sprach: "Ich will das Feuer nicht löschen, es könnte mich austrocknen". Da ging die Alte zum Ochsen und bat: "Oh Ochs, trink das Wasser, daß es das Feuer löscht und dieses den Wolf brennt, der den Hammel fressen soll, daß ich mit seiner Wolle die Löcher im Stall zustopfen kann und die Ziege mir Milch gibt." Der Ochs aber sagte: "Ich will das Wasser nicht trinken, ich hab keinen Durst!" Da ging die Alte zum Baum: "Oh Baum, geh und schlag den Ochsen, daß er das Wasser trinkt, daß es das Feuer löscht, daß es den Wolf brennt, der dann den Hammel frißt und ich Wolle bekomme, um die Löcher in meinem Stall zu stopfen, daß die Ziege mir Milch gibt."
Der Baum aber wollte nicht: "Ich will den Ochsen nicht schlagen, weil er so stark ist, da habe ich Angst." Da ging die Alte zu den Würmern: "Oh Würmer, geht und nagt am Baum, weil ... usw., usf." Die Würmer wollten aber nicht: "Er schmeckt nicht gut". Da ging die Alte zum Huhn: "Oh Huhn, geh und pieck die Würmer, denn sie sollen am Baum nagen. Auch das Huhn aber sprach: "Ich mag die Würmer nicht piecken, sie sind mir zu klein". Da ist die Alte zur Schwiegertochter gegangen und bat: "Oh Schwiegertochter, geh und drück das Huhn, dann wird es die Würmer piecken...". Darauf die Schwiegertochter: "Ich kann nicht, ich hab viel zu viel zu tun". Schließlich ging die Alte zu ihrem Mann: "Oh Alter, geh und schlag die Schwiegertochter, sie soll das Huhn drücken, daß es die Würmer pieckt, daß sie am Baum nagen, daß er den Ochsen trifft, daß er das Wasser säuft, daß es das Feuer löscht, daß es den Wolf brennt, daß er den Hammel frißt, daß ich endlich die Wolle bekomme um die Löcher im Stall zu stopfen, daß sich die Ziege nicht verkühlt."
Da ging der Alte, schlug die Schwiegertochter, die erschrak und ging das Huhn zu drücken, das fraß die Würmer, da erschraken sie und gingen den Baum fressen, da erschrak der Baum und schlug den Ochsen. Auch der Ochs erschrak und begann das Wasser zu saufen, das vor Schreck begann das Feuer zu löschen, das brannte daraufhin den Wolf, der den Hammel fraß und so bekam die Alte ihre Wolle. Damit hat sie alle Löcher im Stall zugestopft und die Ziege gab ihr einen Krug Milch. Die Alte verkaufte die ganze Milch den Juden. Die haben sie zwei Wochen lang getrunken, aber es ist noch ein wenig übrig geblieben und dafür zahlten die Juden der Alten zwei Goldgroschen. Die Alte ging und kaufte dafür zwei Ochsen und fünf Schafe. Die grillte sie auf dem Spieß. Viele Leute wurden eingeladen und kamen um zu essen, zu trinken und freuten sich.
Ich bin auch dort gewesen, unter dem Tisch versteckt. Man hat mich eingeladen zum Essen und zum Trinken. Ich hab gegessen und getrunken, es ist über meinen Schnurbart geflossen, daß es den Mund nicht mehr erreichte.
Euch zum Wohl, Freunde,
niedergeschrieben von Lev Čerenkov
Da ging der Alte und schlug die Schwiegertocher, damit wurde alles wieder gut.
Photo: Moses F. Heinschink
Bild aus Jarovnice
ROMANO CENTRO Nr. 19, 12/1997
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