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ZUM TOD VON LEKSA MANUŠ
von Lev Tcherenkov
Eine traurige Nachricht hat uns aus Moskau erreicht: am 21. Mai dieses Jahres starb der große Roma-Dichter und Wissenschaftler Leksa Manuš. Leksa Manuš wurde 1942 in der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Er studierte an der Universität Riga und arbeitete nach seinem Abschluß als Lehrer an einer Schule, die von vielen Roma-Kindern besucht wurde. Mütterlicherseits stammte Leksa, der ausgezeichnet Romanes sprach, von den Polnischen Roma ab, die im Osten Lettlands leben. Nach seiner Schultätigkeit begann er als Dichter und als wissenschaftlicher Schriftsteller tätig zu werden. Er war der erste, der versuchte Romani-Poesie in neue Formen zu kleiden. Er schrieb zahlreiche Gedichte in vielen Dialekten der Romasprache, welche er ausgezeichnet beherrschte.
Da er auch viele Sprachen konnte, übersetzte er Gedichte der Weltliteratur ins Romanes: von Dichtern aus Rußland, Lettland, der Ukraine, Frankreich, Italien und anderen Ländern. Außerdem veröffentlichte er viele wissenschaftliche Arbeiten über Sprache, Geschichte und Musik der Roma. Einen weiteren literarischen Schatz verdanken wir seiner Nachdichtung des "Ramayana". Ins Romanes und ins Englische übertragen, wurde das klassische indische Epos 1990 in der indischen Stadt Chandigarh publiziert und am 4. Weltkongreß der Roma in Warschau präsentiert.
Seine letzte Arbeit mit großem Wert für die Roma ist die Schulfibel "Abece romani \v{c}hib'', die in Ventspils, Lettland herauskam. Auch arbeitete er an einem Wörterbuch, das den ganzen Reichtum der Romasprache in Lettland dokumentiert. Wegen seiner schweren Krankheit konnte er es leider nicht mehr vollenden. Leksa Manuš war ein guter Freund der Roma wie auch der Ga\´{z}e. Seine Kollegen vom Institut für Information an der Russischen Akademie der Wissenschaften, wo er 23 Jahre lang arbeitete, erinnern sich innerlich bewegt an ihn, war doch zu jeder Zeit sein Haus für alle, die Rat suchten und etwas auf dem Herzen hatten, geöffnet. Mit 54 Jahren ist Leksa von uns gegangen und ließ uns in Trauer um ihn zurück. Uns aber bleibt die Erinnerung an seine menschliche Größe.
Am 21. Mai ist Leksa Manuš von uns gegangen
Photo: Moses F. Heinschink
ROMANO CENTRO Nr. 18, 09/1997
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