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DER FUCHS UND DAS SCHWEIN
von Osman Zambaklî (lzmir)
Es war, weil es nicht war, es war einmal ein Fischer. Dieser Fischer ging an einen Fluß, um Fische zu fangen. Er fing Fische und legte sie in einen Korb. Als es abend wurde, leerte er die Körbe aus, nahm die großen Fische und ging. Als der Fischer gegangen war, kam ein Fuchs, sammelte die kleinen Fische ein, ging in seinen Bau und briet sich dort die Fische.
Während er die Fische briet, kam ein Schwein und sagte: "Was machst du, Großschwanz? Gibst du mir nicht ein wenig Fisch?" - "Ich geh dir keine Fische, verehrter Großkopf, ich bin gegangen und habe diese Fische gefangen!" - "Wie auch immer! Ein Stück gib mir!" sagte das Schwein. Der Fuchs gab dem Schwein einen Fisch. Das Schwein fraß ihn und sagte: "Großschwanz! Gib mir noch ein Stück!" - 'Ich gebe dir nichts mehr!" - "Wie hast du diese Fische gefangen, Großschwanz?" fragte das Schwein den Fuchs. Der Fuchs darauf. "Ich habe einen Krug an meinen Schwanz gebunden, in den Fluß gehängt, angezogen und die Fische herausgefangen! " - "Oh, Großschwanz!" sagte das Schwein, "du hast es so gemacht und die Fische herausgefangen; da ich aber stark bin, laß uns ein großes Faß an meinen Ringelschwanz binden, damit wir es in den Fluß hängen und alle Fische aus dem Fluß herausfangen können!" sagte er.
Nun gut, der Fuchs nimmt einen großen Tonkrug und bindet ihn an den Schwanz des Schweines. Als sie diesen in den Fluß hängen, füllt sich der Krug sofort mit Wasser. Das Schwein zieht an - der Tonkrug kommt nicht herauf! Als das Schwein kraftvoll anzieht, reißt sein Ringelschwanz aus! Der Ringelschwanz blieb dort im Fluß zurück! Der Fuchs ging, sammelte seine Fische und verschwand.
Das Schwein sah: Der Fuchs war nicht mehr da. Also machte es sich auf und ging zu seinen Freunden. Als ihn seine Freunde sahen: ''Ha, du Schwanzloser! Haha, du Schwanzloser!" verspotten sie ihn. - Er denkt: "Was könnte ich ihnen antun? Sie treiben großen Spott mit mir! Auch mir fällt eine Teufelei für sie ein: Ich werde auch ihre Schwänze ausreißen!"
"Freunde!" rief er, "ich weiß einen Ort mit vielen Birnen! Laßt uns alle hingehen, sie sammeln und essen!" "Wo ist das, Schwanzloser?" Sie rotteten sich zusammen, brachen auf und gingen zum Birnbaum, das Schwein stieg hinauf, rüttelte, die Birnen fielen herunter. Sie fraßen sie. Das Schwein steigt herab und sieht: Für ihn sind keine Birnen mehr übrig! "Joj, ihr habt alle Birnen gefressen, mir habt ihr keine gelassen!" rief er. "Dieses Mal binde ich euch mit den Schwänzen an den Baum! Ich schüttle (die Birnen) herunter, soviele wie herunterfallen und ihr erreichen könnt, dürft ihr fressen, und die anderen bleiben für mich! " sagte er. "Gut!" sagten sie. Das Schwein band sie also an den Schwänzen fest, alle band es an den Schwänzen fest - und stieg wieder auf den Baum.
"He, Freunde" rief es, "da kommen zwei Jäger mit Gewehren! Sie werden euch eins draufgeben, sie werden euch umbringen! Flieht!!" Als sie mit aller Kraft davonlaufen wollten, blieben alle ihre Ringelschwänze am Baum hängen! Nun stieg das Schwein von dort herunter, und rief sie zurück: "Kommt her! Kommt her!" rief es ihnen nach, "Jäger und so hat es gar keine gegeben. Ihr habt immer Spott mit mir getrieben und mich ausgelacht: 'Du Schwanzloser!' Ich habe mir mit euch denselben Scherz erlaubt: Und seht ihr, nun seid ihr alle so wie ich auch, Schweine ohne Schwanz!" - Nun, dort waren wir, hierher sind wir gekommen!
Zu diesem Text:
Osman stammt von der Gruppe der Korbflechter (Sepe\v{c}ides), die in der Türkei und in Nordgriechenland leben und eine reiche Erzähltradition pflegen. Ihre Geschichten sind oft heiter oder pointiert und zumeist lehrreich, d.h. sie enthalten eine allgemein gültige Botschaft. Da es nicht üblich ist, einander offen zu kritisieren, erzählt man lieber eine kleine Geschichte, die auf heitere Art ausdrückt, was man dem anderen sagen will, ohne ihn zu verletzen oder zu beleidigen.
Die Sprache der Sepe\v{c}ides ist ein Non-Vlach Dialekt, der stark vom Griechischen und vor allem Türkischen geprägt ist. So ist das Wort für "Schwein" ein griechisches Lehnwort, jenes für 'Fuchs" ein türkisches, desgleichen "Fischer", "Jäger" sowie Gegenstände und Geräte wie "Faß" und "Tonkrug". Besonders charakteristisch für diesen Dialekt ist auch, daß es wenige Präpositionen gibt. Wo im Deutschen "auf, in, mit, von" usw., oder z.B. im Dialekt der Kaldera\v{s} "ando, anda, po, pe" verwendet wird, gebraucht man im Dialekt der Sepe\v{c}ides noch die ererbten Kasusendungen. Das ist auf den Einfluß des Türkischen zurückzuführen, da diese Sprache kaum Präpositionen kennt. Daher werden sie auch nicht ins Romanes übernommen. Weiters enden alle Verben im Präsens, also in der Gegenwart, mit -a. Dies ist eine Eigentümlichkeit einiger Dialekte, besonders im südbalkanischen Raum (Bulgarien, Griechenland, Türkei). Da im Dialekt der Lovara mit genau diesen Formen Zukunft statt Gegenwart ausgedrückt wird, fallen sie bei einem Vergleich der Texte besonders auf.
Der Dialekt der Sepe\v{c}ides ist ausdrucksstark und reich. Die bis vor kurzem lebendige Erzähltradition schuf ein großes Inventar an Märchen und Anekdoten. Die Geschichte vom Schwein ist eine Tierfabel, die die Überheblichkeit jener anprangert, die sich über andere mokieren, ohne selbst gegen Dummheiten gefeit zu sein.
"Ihr habt immer Spott mit mir getrieben und mich ausgelacht: ... Und seht ihr, nun seid ihr alle so wie ich..."
Photo: Moses F. Heinschink
ROMANO CENTRO Nr. 17, 06/1997
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