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MEINE FLUCHT AUS UNGARN
von Antal K.
Lange Jahre arbeitete ich in Ungarn am Bahnhof in Celldömölk, auf Romanes "Cella". Ich fuhr eine Diesellock. Sie beförderte sowohl Menschen als auch Lasten. Im Land hatte ich keine Ruhe mehr, man hasste mich zu Hause in Ungarn, weil ich nicht Mitglied der kommunistischen Partei war. Deshalb hatte ich mit den Behörden immer Schwierigkeiten. Da nahm ich mir vor irgendwie zur Grenze gelangen. Mit Gottes Hilfe wollte ich dann aus dem Land fliehen.
Nach zwei, drei Monaten war dann so ein Tag, der mich bis zur Grenze brachte. Die österreichische Grenzstation hieß Pamhagen. Auf der ungarischen Seite hieß die Grenzstation Fertödszentmiklos. Dort habe ich mit den Beamten ausgemacht, daß ich wieder zurückkommen könne, wenn meine Flucht mißlänge, und mir nichts passieren werde. Es war auch ausgemacht, daß ich vorher bei der Grenze zwei drei Schraubenschlüssel, einen Hammer und verschiedenes anderes Werkzeug liegen lassen werde. Ich sagte damals dem Beamten: "Mein Herr, ich habe an der Grenze vor zwei, drei Tagen mein Werkzeug liegen gelassen, ich möchte es wieder holen". Er sagte: "Fahr hinaus zur Grenze".
Ich hatte in der Diesellock eine riesengroße Eisenplatte. Wenn ein Soldat auf mich zielen sollte, wollte ich sie mir über den Kopf halten, damit mir nichts passierte. Der liebe Gott und die Maria fügten es aber so, daß der Soldat von seinem Wachturm gerade herunterkam. Der war aber 40 bis 50 Meter hoch. Gerade als ich einfuhr, begann er herunter zu steigen und passte daher nicht auf.
So kam ich über die Grenze. Ich schaute ihm noch nach, und als er unten angelangt war, konnte er nichts mehr machen, ich war schon auf der österreichischen Seite. Ich fuhr dann in Pamhagen ein und da sagte mir der Bahnhofsvorstand: "Hier kannst du nicht stehen bleiben" Ich sagte: "Ich weiß das, denn ich muß auf den Bahnhof nach Wallern". Dorthin hatte der ungarischen Bahnhofsbeamte schon durchgesagt was passiert war.
Als ich ausstieg, erwartete mich schon die Polizei. Im österreichische Grenzbahnhof in Wallern - so hieß dieser Ort - kamen die Polizisten und ich sagte ihnen "Freunde, seid nicht böse, aber ich möchte nicht mehr zurückgehen, bringt mich nach Eisenstadt ins Lager, ich will nicht mehr zurück." "Wenn das so ist, dann komm herein zu uns, daß wir deine Personalien aufnehmen und dann bringen wir dich nach Eisenstadt" sagten die Beamten. "Was soll ich sagen? ich muß euch sagen, Freunde, das war keine leichte Sache, denn der Mensch muß das, was er in unternimmt, bedenken - er setzt ja sein Leben aufs Spiel".
So hat mir Gott und die Maria geholfen, daß ich über die Grenze gekommen bin. Ich wußte genau wann der Gegenzug aus Österreich zu erwarten war, weil ich einen Fahrplan besaß. Die Beamten haben mich dann hineingeführt und weiter nach Eisenstadt. Von dort brachten sie mich nach Traiskirchen ins Lager, wo ich sechs Monate bleiben musste. Warum wurde ich dort interniert? Auch die Ungarn suchten mich, die ungarischen Spione suchten jeden Monat überall nach mir. Später dann - Gott und Maria sei Dank - vergaß man meinen Namen. Ich ging mir dann eine Arbeit suchen und fand eine in Wien.
Freunde, so war es, wie ich Euch erzählt habe. Das ist nun schon 30 Jahre her, es passierte im Jahre 1965. Freunde, Gott soll euch Glück und Gesundheit geben.
Mit Gottes Hilfe wollte ich aus dem Land fliehen.
Photo: Dragan Jevremović, P. Cech
ROMANO CENTRO Nr. 16, 03/1997
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