|
<
zurück | Romani
UNSERE WEIHNACHTSBRÄUCHE
von Dragan Jevremović
Dieser Text handelt von den Weihnachtsbräuchen der Rom, der Kalderaša aus Jugoslawien. Diese Tradition ist bis heute lebendig, nichts desto weniger ist es sehr schwierig, diese Bräuche aufrecht zu erhalten, weil sich die Umstände im Leben der Rom sehr stark geändert haben.
DER VERLAUF DES WEIHNACHTSFESTES
Für Weihnachten braucht man einen Weihnachtskuchen, einen Festtagskuchen, Stroh und einen Weihnachtsbaum, gebratenes Schwein, Getränke und viele andere Köstlichkeiten.
Die "Cesnica", wird aus Getreidemehl gemacht. Die Schwiegertochter knetet den Teig und gibt ein Geldstück aus Gold oder Silber hinein. Die Cesnica ist das heilige Brot Gottes und wird am dritten Weihnachtstag gebrochen. Jeder nimmt davon ein Stück, wer die Münze ergattert, der ist das ganze Jahr hindurch glücklich.
Weihnachten ist ein glückliches Fest, es freut sich darüber klein und groß. Wer das Stroh zu bringen hat, das bestimmt der Hausherr. Es ist gut, das Stroh zu stehlen, schlecht ist es aber, es zu zahlen. Das erste Bündel, das man mit der rechten Hand ergreift, wird schön auf dem Tisch verteilt. Und auch jenes Stroh, das man in einem großen Bündel auf dem Rücken nach Hause bringt, wird schön im Haus aufgebreitet. Die Eiche, die dort ausgewählt wird, ist mit drei kräftigen Schlägen zu fällen. Er soll so viele Blätter haben wie möglich, denn er bringt das Glück für Weihnachten. Der Baum soll vor der Haustür aufgestellt sein, und wer immer kommt, bricht einen Zweig davon ab. Damit schürt er das Feuer und betet für alle um Gesundheit.
Am Weihnachtsabend, wenn die Sterne herauskommen, wird das Stroh im Haus ausgebreitet. Die Kinder freuen sich sehr, lachen und tanzen und vergessen das Weihnachtsfest nicht. Es ist gut, wenn die Kleinen im Stroh spielen, denn so werden die Schwiegertöchter Knaben bekommen! Dann bringen die Schwiegertöchter den Tisch herein, und stellen den Weihnachtskuchen mit Kerzen darauf. Sie bringen, das Essen und zünden Weihrauch an. Alle beten zu Gott, die Cesnica und das Essen werden beweihräuchert. Danach setzen sich alle wieder hin, singen, essen und tanzen. Bis zum Morgen ist es nicht erwünscht, daß andere Personen kommen. Würde jemand an diesem Abend ungebeten kommen, würde er Polozniko (Pate) dieses Hauses werden.
Am nächsten Tag, zu Weihnachten, stehen alle im Morgengrauen auf, entzünden im Ofen das Feuer und erwarten ihren Polozniko voll Freude. Die Schwiegertochter nimmt den Kessel in die Hand und bringt vom Brunnen kaltes Wasser. Von dort kommt sie lachend und singend zurück - im Wasser befindet sich ein Goldstück! Hinter ihrem Ohr steckt eine Blume. Auch Basilikum hat sie ins Wasser gegeben. Man nennt es "heiliges Weihnachtswasser", wenn sich in ihm Basilikum und Gold befindet. Damit waschen sich alle das Gesicht, es ist auch gut, davon zu trinken und ein wenig in den Mund zu nehmen und es zwischen den Zähnen wieder auszuspucken. Das macht man, um keine Zahnschmerzen zu bekommen und alle Mühsal von sich abzuwenden.
Ein jeder, der Weihnachten feiert, wählt selbst den Polozniko aus. Dieser kann der Sohn sein, oder jene Schwiegertochter, die wahrhaftig und nicht jähzornig ist, es kann ein Enkel, der Großvater, ein Onkel, auch ein Fremder oder der Bruder sein - alle jene eben, die der Famile gutgesinnt sind. Der Polozniko kommt am Morgen und bricht einen Zweig vom Weihnachtsbaum herunter. Er klopft heftig an die Tür und ruft: "Ist der Hausherr zuhause? Frohe Weihnachten, öffne die Tür, denn ich komme von weit. Ich bin sehr müde und mir ist kalt, laß mich ein, denn Weihnachten soll glücklich sein!" Der Hausherr erwartet ihn schon ungeduldig, öffnet freudig die Tür, und sie küssen sich auf die Wange. "Komm herein, denn seit langem warten wir auf dich. Mit dir wollen wir essen und trinken und ein schönes Weihnachtsfest verbringen!" Der Polozniko tritt singend ein und eilt mit dem Zweig zum Ofen. Er schürt mit dem Zweig heftig das Feuer: "So viele Funken aus diesem Feuer sprühen, soviel Gesundheit und Glück soll euch der liebe Gott bescheren! So viele Funken aus dem Feuer sprühen, soviel Geld und Gold soll euch Gott bescheren! So viele Funken, so viele Kinder, Schwiegertöchter und Enkel! Gesundheit und Freude und eine große Familie sollt ihr haben!"
Der Hausherr dankt ihm darauf herzlich und bittet ihn zu Tisch. Die Frau täuscht den Poloziko und zieht den Polster unter ihm weg. Gespielt läßt sich dieser fallen, denn es ist gut, wenn er sich täuschen läßt. Zu Weihnachten ist es gut, wenn man lügt und den Gaze mehr wahrsagt. Der Polozniko setzt sich auf die Erde, verschränkt seine Füße und nimmt aus seiner Tasche seinen Schatz: "Seht, ich bin nicht mit leeren Händen gekommen, ich habe euch Gold und Geld mitgebracht. Ihr sollt alle gesund und glücklich sein, auf Silber und Gold sollt ihr wandeln! ".
Der Polozniko soll der Familie Glück bringen, man soll gegen einander keine bösen Gedanken hegen. Zu Weihnachten muß das Feuer im Ofen drei Tage lang - Tag und Nacht - brennen, es darf nie ausgehen. Drei Tage darf man nicht zusammenkehren, Schmutz und Abfälle nicht hinauswerfen. Drei Tage darf man die Kleider nicht wechseln, solange das Stroh nicht aus dem Haus ist. Auch den Abfall, den man verursacht, darf man erst am dritten Tag wegwerfen. Zu Weihnachten soll man kein Geld (aus)geben, besser ist es, es zu bekommen
Der Polozniko kommt nach einer Woche wieder und trägt sein Geschenk nach Hause. Im alten Neuen Jahr bereiten die Frauen ein reiches Mahl, denn es kommt der hungrige Polozniko. Alle essen und trinken und der Polozniko erhält ein Geschenk. Ihm wird mit Hanf der Festtagskuchen um den Hals gehängt, seine Tasche wird angefüllt mit gebratenem Fleisch, Schweinsrippen, Wein und Schnaps; vom Boden wird auch Geselchtes geholt und in die Brieftasche gibt man ihm Geld. Alle stehen mit großer Freude auf, reichen ihm die Hände und danken dem Polozniko herzlich, der sich seinerseits ebenfalls bei allen bedankt. Denn sein Geschenk kann er kaum tragen!
Wer Weihnachten feiert, dem hilft auch Gott. Er gibt ihm Glück und Gesundheit, denn das ist der größte Reichtum!
So viele Funken aus diesem Feuer sprühen, soviel Gesundheit und Glück soll euch der liebe Gott bescheren!
ROMANO CENTRO Nr. 15, 12/1996
|
|
 |
ROMANO CENTRO
2001
2000
1999
1998
1997
1996
1995
1994
1993
|
|