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DER HERDELEZI (GEORGSTAG) IN IZMIR
von Fatma Heinschink
Am Abend vor dem Herdelezi versammeln sich die Mädchen, alle machen ein großes Feuer. Sie springen herum, die, die Tarabuka spielen können, schlagen die Trommel, sie tanzen, sie springen übers Feuer. Die, die keine Kinder haben, bauen sich draußen im Hof aus Steinen eine Art Haus. Unter dem Baum machen sie eine Wiege. Sie geben eine kleine Puppe hinein, aus Stoffresten machen sie diese Puppe. Sie sagen: "Mein Gott, dieses Jahr bin ich ohne Kinder, aber aufs Jahr soll ich Kinder haben." Auf dem Baum befestigen sie die Wiege. Die, die kein Haus haben und in Miete wohnen, machen sich daran, ein Haus aus Steinen zu bauen. Die, die viel Streit mit ihrem Mann haben, die nicht gut mit ihm auskommen oder die verwitwet sind und keinen Mann haben, gehen zu jenen, die gut mit ihren Männern leben, und erbitten von ihnen einen Ring. Wenn sie verwitwet sind, sagen sie: "Lieber Gott, aufs Jahr soll ich mir einen Mann finden, wie gut sie es mit ihrem Mann haben, so soll auch ich mit meinem Mann leben." Eine Nacht bleibt dieser Ring bei ihnen. Jene wiederum, deren Mann schlecht zu ihnen ist, die gehen zu einer, die mit ihrem Mann gut auskommt, und nehmen seinen Ring und sagen: "Aufs Jahr soll auch mein Mann so klug sein wie er. Wir sollen gut miteinander leben."
Sie stehen zeitig in der Früh auf und pflücken Brennesseln. Aber unsere Brennesseln, brennen sehr stark. Die unverheirateten Mädchen nehmen von den Brennesseln und wandern damit von Haus zu Haus. Sie brennen alle, die im Bett liegen. Und unsere alten Roma sagen: "O weh, meine Tochter", sie sagen, wo sie Schmerzen haben. "Hierher mit der Brennessel", sagt man, "damit meine Schmerzen weggehen." Auf den Füßen, auf der Schulter, auf dem Rücken, überall dort, wo sie Schmerzen haben, lassen sie sich mit den Brennesseln behandeln.
Anschließend gehen die Mädchen zum Meer. Sie werfen Blumen in das Meer. Wenn die Blume gerade im Meer schwimmt, dann wird das Mädchen einen Geliebten haben. Wenn sie verkehrt liegt und sich mit dem Kopf nach unten dreht - sie glauben daran! -, dann wird sie diesmal keinen Geliebten finden.
So machen sie's, und anschließend gehen sie zum Messegelände. Dort gehen alle hin, die Verheirateten, die Burschen, die Frauen, die Mädchen, alle gehen zum Messepark. Dorthin gehen sie also, und die Roma, die Männer, trinken. Es ist ein buntes Treiben: Die Mädchen, Tarabukas, Zurnas und Geigen, der ganze Jahrmarkt, auf dem sie herumspazieren, mit Liedern und Tänzen. Sie essen, trinken und vergnügen sich, und so schließt dann unser Herdelezi. Unsere Herdelezia sind nicht so groß. Die Türken sagen dazu "Zigeuner-Fest".
"Mein Gott, dieses Jahr bin ich ohne Kinder, aber aufs Jahr soll ich Kinder bekommen."
ROMANO CENTRO Nr. 13, 06/1996
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