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DER ARME TÜRKE GEHT NACH RUMÄNIEN
von Dragan Jevremović
Es war, weil es nicht war eine Geschichte. Es war einmal jener Türke aus der Türkei. Er hatte eine Frau und neun kleine Kinder. Was sollte er tun? Er ging, arbeitete und brachte ein Stück Brot, das er seinen Kindern zu essen gab. Er war ein sehr armer Mensch. Er hatte nichts, wovon er sich ernähren konnte. Aber er hatte diesen Garten, wo er Tomaten, Kartoffeln, Gurken, Bohnen säte - deshalb hatte er doch etwas zu essen. Eines nachts träumte er; ein Mensch kam im Traum zu ihm und sagte: "Mein Herr," sagte er, "du wirst sehr reich und glücklich werden, wenn du nur nach Rumänien fährst, dort ist ein bekanntes Hotel mit einer Laube, in der es viele Trauben gibt. Dorthin sollst du gehen und dir einen Kaffee bestellen, es erwartet dich das große Glück!"
Zunächst beließ er es dabei. Es verging ein wenig Zeit, wieder sah er den gleichen Traum. Wieder kam dieser Mensch zu ihm und sagte: "Geh dorthin, das große Glück erwartet dich. Du wirst nicht arm bleiben!" Und er, was wird er machen? Es vergingen jedoch drei, vier, fünf Jahre und immer sah er diesen Traum, der ihm schon langweilig wurde. Er aber, was wird er machen? Also heute-morgen, morgen-heute-morgen, zehn Jahre lang sieht er immer wieder diesen Traum! "So, Frau", sagt er, "ich werde dorthin gehen, auch wenn ich zugrunde gehe, ich muß probieren, ob dieser Traum Wirklichkeit wird." "Naja, Mann", sie darauf, "wenn du schon dorthin fahren willst, verkaufe den Garten, löse dir einen Paß und geh eben dorthin!"
Und so machte er es auch. Er verkaufte den Garten, nahm sich einen Paß, bestieg den Zug und fuhr nach Rumänien. Er fragte die Leute, wo dieses wahrhaft bekannte Hotel in Rumänien sei, und die Leute schickten ihn dorthin, wo es wirklich war. Als er in der Früh dort ankam, schaute er sich um, ging in den Garten hinein, und alles war wirklich genau so, wie er es im Traum gesehen hatte, dieses Hotel. Er sah die Trauben oben, setzte sich allein an einen Tisch in diesem Garten. Drinnen waren jetzt Leute und er rief den Wirt und bat ihn, ihm einen Kaffee zu bringen. Der Wirt konnte türkisch sprechen, er brachte ihm den Kaffee und stellte ihn auf den Tisch. Als er den Kaffee nimmt und zum Mund führt, fällt eine Weinbeere von oben hinein und der ganze Kaffee ist verschüttet. Die Beere spritzt ihn voll. Er ließ die Tasse sinken und stellte sie zurück. "Ach lieber Gott" sagte er, "da hast du's, wenn ein Mensch arm ist, dann bleibt er auch arm! Schau", sagte er, "ich bin aus der Türkei nach Rumänien gekommen wegen dieses einen Kaffees und auch dabei habe ich nicht einmal das Glück, ihn zu trinken." Er lachte und redete allein vor sich hin. Da sah ihn der Wirt und kam zu ihm hin. "Na, mein Herr", fragte er ihn, "ist irgendetwas mit dem Kaffee nicht in Ordnung oder warum lachst du und verfluchst du irgendwas?" "Mein Lieber", er darauf, "ich werde dir jetzt die Wahrheit sagen, warum ich hierher gekommen bin."
Und er erzählte dem Wirten von seinem Traum. Da sagte der Wirt zu ihm: "Na, mein Herr," sagte er, "du bist dumm, du hast im Traum gesehen, daß du einen Kaffee in Rumänien trinken wirst und bist gleich gekommen. Aber ich, ich sehe schon viele Jahre den gleichen Traum: in der Türkei in diesem und diesem Dorf, in diesem und diesem Haus, unter dieser Feuerstelle einen Kessel voller Gold und Dukaten! Und ich fahre nicht in die Türkei wegen dieses vielen Goldes, das ich immer im Traum sehe. Du aber hast von einem Kaffee geträumt und bist hierher gekommen," sagte er, "du bist nicht normal!" Jener blieb ruhig und hörte, was ihm der Wirt da erzählte, er beschrieb nämlich sein Haus, sein Dorf!
Und was macht er nun, Freunde? Er schüttelt dem Wirten die Hand: "Gut, bleib mit Gott, mein Herr! Ich gehe wieder nach Hause, um meine Kinder zu ernähren." Und er fuhr nach Hause zu seiner Frau und erzählte ihr, wie er nach Rumänien gekommen war, wie das mit diesem Kaffee gewesen war und was ihm dieser Wirt gesagt hatte. Also begann er mit seiner Frau diese Stelle, dort wo man Feuer macht, umzugraben. Er hebt einen großen Stein weg und unter diesem Stein ist tatsächlich ein Kessel voller Gold' Und so ist er reich geworden. Der Traum hatte ihn zu dem Menschen geführt, der von dem Schatz wußte und es ihm erzählt. Und so ging sein Traum tatsächlich in Erfüllung - er wurde reich!
Er hebt einen großen Stein weg, und unter diesem Stein ist tatsächlich ein Kessel voller Gold.
ROMANO CENTRO Nr. 12, 03/1996
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