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AUS UNSERER GESCHICHTE (Teil XI)
von Ilija Jovanović
Diesmal geht es um das Schicksal der Roma in Österreich. In der Zwischenkriegszeit war das Leben vieler Romafamilien schwierig, aber auch andere große Gruppen gerieten in Zeiten der Weltwirtschaftskrise in große Not. Zur ‚Landplage' wurden die Zigeuner erst nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938 erklärt. Die Polizei wurde gleich beauftragt, jeden Angehörigen der ‚zigeunerischen Volksgruppe' zu erfassen und damit die Grundlage für die Deportation zu schaffen. "Nach nationalsozialistischen Schätzungen wurden 1938 etwa 8000 Zigeuner und Zigeunermischlinge im Burgenland angenommen. Neben dieser größeren Anzahl von mehr oder weniger seßhaften Roma rechneten die NS-Behörden mit ungefähr 3000 nomadisierenden ‚Zigeunern' in der Ostmark" (H.-J. Döring: Zigeuner im nationalsozialistischen Staat, Hamburg 1964, 75f). Insgesamt kann man danach etwa 11.000 Roma vermuten.
Im Burgenland wurde Dr. Tobias Portschy im März 1938 Gauleiter und Landeshauptmann. Noch im selben Monat leitete er die ersten Verfolgungsmaßnahmen gegen Zigeuner ein. "Portschy progagierte die Gleichstellung der Zigeuner mit den Juden, das Verbot des Besuchs der allgemeinen Volks und Hauptschulen, das Verbot ehelicher Beziehungen zwischen Zigeunern und ‚Deutschblütigen', Ausschluß aus der Wehrmacht und Internierung in Arbeitslagern. Er verlangte, durch schwere Arbeit, durch die Trennung der Männer von ihren Frauen und durch Sterilisierung dem ‚gefährlichen Bevölkerungswachstum der Zigeuner entgegenzuwirken'" (Steinmetz, Österreichs Zigeuner im NS Staat, Wien etc. 1966, S.11). Im September desselben Jahres wurde in den Bezirken Eisenstadt und Jennersdorf das Musizieren verboten. Als die Musikanten dann nicht mehr auftreten durften, galten sie als ‚arbeitsscheu'. Sie waren dann die ersten, die bald in das KZ Dachau deportiert wurden. Außerdem wurden viele Männer in Sammellagern interniert und mußten schwerste Arbeit in Steinbrüchen und beim Straßenbau verrichten, sie durften keine Verkehrsmittel mehr benutzen und keine Tabakwaren erwerben. In Pinkafeld gab es einen Erlaß, der der Gendarmerie befahl, dafür zu sorgen, daß ‚im Weichbild der Stadt in Zukunft kein Zigeuner mehr gesehen wird'. Die größeren Gruppenverfolgungen begannen dann im Frühsommer 1939. In kürzester Zeit sollten 2000 männliche "Zigeuner" nach Dachau und 1000 weibliche nach Ravensbrück gebracht werden, die Kinder sollten im Bereich der Kriminalpolizeileitstelle Wien, der Fürsorge überstellt werden. Die Roma wurden aus Wohnungen und Arbeitssammelstellen weggeholt und auf Viehwagen verladen.
1940/41 wurde das Lager Lackenbach mit zunächst 180 Häftlingen gegründet. Besonders unter dem Lagerleiter Langenmüller kam es dort zu grausamen Brutalitäten. Im Herbst 1941 waren bereits 2330 Insassen registriert, 1000 wurden im November von Lackenbach in einen besonderen Teil des Judenghettos nach Lodz transportiert, ein zweiter Transport folgte. Von dort wurden sie später, total ausgehungert, in das Vernichtungslager Chelmo abtransportiert. 1942 brach im Lager Lackenbach Flecktyphus aus, dem viele Häftlinge zum Opfer fielen. Erst zu Ostern 1945, als die Sowjetische Armee bereits nahte, wurde das Lager aufgelöst. Nur sehr wenige Roma konnten als "U-Boote" bei befreundeten Gadsche dem Terror entkommen. Manchen war die Flucht nach Ungarn gelungen.
In Dachau und Buchenwald wurden Roma gleich zu schwersten Arbeiten herangezogen; noch schlechter als die Juden gestellt, waren sie Freiwild für medizinische Experimente. Österreichische Roma wurden im Frühjahr 1943 auch nach Auschwitz deportiert. Ankunftsdaten und Zahl von etwa 2760 wahrscheinlich österreichischen Roma und Sinti sind dort vermerkt. Oft kann man nur aus den Namen auf die österreichische Herkunft schließen: Stojka, Horvath, Papai, Weinrich, Schneeberger usw. Was dort in einer einzigen Nacht mit dem ‚Zigeunerlager' geschah, haben wir in der letzten Nummer geschildert.
Es ist unmöglich, alle Qualen aufzuzählen, die Roma in dieser schrecklichen Zeit erlitten haben und bis heute weiß man nicht genau, wie viele dabei umgekommen sind.
Viele Österreicher wollen aber nichts von der Vernichtung der Roma und Sinti wissen. Sie wundern sich, warum vor allem Sinti ihnen nicht mehr trauen können, die Schreie kleiner Kinder und ihrer verzweifelten Mütter aber vergißt man nicht. Und die Wunden in den Seelen sind noch nicht verheilt.
Es ist unmöglich, alle Qualen aufzuzählen, die Roma in dieser schrecklichen Zeit erlitten haben, man weiß bis heute nicht, wie viele dabei umgekommen sind.
Zeichnung: Estref Demirovski
ROMANO CENTRO Nr. 12, 03/1996
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