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AUS UNSERER GESCHICHTE (TEIL X)
Verfolgung der Roma und Sinti während des Nationalsozialismus
von Ilija Jovanović
Wir sind nun beim traurigsten Kapitel der Geschichte der Roma angelangt. Worte können nur sehr mangelhaft das Grauen und den Jammer wiedergeben, der sich während der Diktatur der Nationalsozialisten in den verschiedenen Konzentrationslagern abspielten.
1935 kamen schon in den an sich auf Juden bezogenen Nürnberger Rassengesetzen" Zigeuner vor. "Zur Reinerhaltung des deutschen Blutes" wurden Mischehen zwischen Deutschen und Zigeunern verboten und Staatsangehörige "artfremden Blutes" wurden zu "Staatsangehörigen zweiter Klasse" erklärt. Zunächst wurden zwischen "Reinrassigen, guten Zigeunern" und den "assozialen, schlechten Zigeunermischlingen" unterschieden. Wer unter seinen Großeltern zwei "Zigeunermischlinge" hatte, war aber gleich selbst einer von ihnen.
1938 wurde von Dr. Robert Ritter die "Rassenhygienische und bevölkerungsbiologische Forschungsstätte" gegründet. Mit seiner Mitarbeiterin Eva Justin, die Sintitikes konnte und das Vertrauen von Sinti schändlich mißbrauchte, lieferte er bald die "wissenschaftlichen" Grundlagen für Einweisungen in Vorbeugehaft und Deportation in Arbeits- und Konzentrationslager. Eine menschlichere Behandlung bildete in Augen dieser Rassenfanatiker die Sterilisation, die unsägliches Leid auch über sehr junge Romnia brachte. Schließlich wurden Roma in Deutschland festgenommen und irgendwohin in den Osten transportiert. In einem Artikel in der "Wohlfahrtswoche" forderte der Autor 1939 schließlich die "rücksichtslose Ausmerzung dieser charakterlich defekten Bevölkerungselemente". Damals hatte die Nazi-Führung die Vernichtung der Zigeuner noch nicht endgültig beschlossen. 1942 aber wurde schließlich vereinbart Juden, Zigeuner, Russen, Ukrainer ... an den Reichsführer-SS zur Vernichtung durch Arbeit auszuliefern." Am 16.12.1942 gab Himmler dann den berüchtigten "Auschwitz-Erlaß" heraus, mit dem das Schicksal der europäischen Zigeuner ohne Unterscheidung von "rassenreinen" und "Mischlingszigeunern" praktisch besiegelt wurde" (Rüdiger Vossen, Zigeuner, 1983, Ullstein Sachbuch).
In Auschwitz wurde ein eigenes Zigeunerlager errichtet. Anfang 1943 waren die Bedingungen dort im Vergleich zu den Lagern der übrigen Häftlinge noch relativ annehmbar, die Familien durften zusammenbleiben und durften mitgebrachte Habe mitnehmen, bald aber änderte sich das im total überfüllten Lager. Die Worte einer jüdischen Augenzeugin berichten in erschütternder Weise über die Situation:"... Vor Hunger, Durst, Kälte und Schmerzen kamen die Kinder auch nachts nicht zur Ruhe. Ihr Stöhnen schwoll orkanartig an und hallte im ganzen Block wider ... Nacht für Nacht flutete das Jammern der leidenden Kreatur auf und ab, wie die Wogen des Meeres, eine nicht endende Symphonie menschlicher Qual. Wenn die, die achtlos über menschliches Leid hinweggehen, nur drei Nächte im Kinderblock gelebt hätten, wo wir unsere Lagerstatt hatten, würde wohl vieles anders werden ..."
20.967 Zigeuner wurden allein in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eingeliefert. Soviele Namen enthalten die von Häftlingen vergrabenen "Hauptbücher" des Zigeunerlagers. Rund 2000 Zigeuner, darunter unsere Ceija Stojka wurden in andere Lager gebracht, über rund 1700 gibt es überhaupt keine Eintragungen, weil sie sofort nach ihrer Ankunft in die Gaskammern kamen. Im August 1944 waren etwa 4000 Zigeuner übrig. Was dann passierte, nocheinmal aus dem Munde von Lucie Adelsberger: "Nach einer knappen halben Stunde kehren die Wagen zurück zu unserem Block ... Wir sind an der Reihe. Wen werden sie zuerst nehmen? Die Zigeuner oder die jüdischen Ärzte? Die Türen werden aufgerissen, SS stürmt herein ... Die Räumung beginnt. Die Menschen werden aus den Betten gezerrt, wie Bündel gepackt und hinaustransportiert ... Wir stehen dabei und müssen ohnmächtig zusehen. In wenigen Minuten ist der Block leer. Jedes einzelne Bett wird noch einmal kontrolliert, unter den Matrazen mit Stöcken herumgestochert, jede Ecke des Blocks abgeleuchtet. Der Block wird wieder verriegelt und die SS zieht mit ihren Opfern ab ... Am nächsten Morgen, dem 1. August, war das Zigeunerlager ... leer."
Auschwitz ist aber nur e i n Beispiel, auf der Karte kann man sehen wieviele Lager es insgesamt gab, manche, wie Mauthausen, hatten auch noch Nebenlager, die hier nicht eigens angeführt sind.
Wieviele Roma im ganzen Dritten Reich ermordet wurden, weiß man bis heute nicht genau. Die Schätzungen bewegen sich zwischen 300.000 und 600.000.
Auf das, was in dieser schrecklichen Zeit in Österreich geschehen ist, werden wir in der nächsten Nummer eingehen.
Schließlich wurden die Roma festgenommen und irgendwohin in den Osten transportiert ...
Bild: Ceija Stoika
Karte: aus R. Vossen "Zigeuner", 1983
ROMANO CENTRO Nr. 11, 12/1995
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