|
<
zurück | Romani
AUS UNSERER GESCHICHTE (Teil IX)
Roma in Deutschland vor dem II.WK
von Ilija Jovanović
Für die ‚Zigeuner' wurde das Leben in Deutschland immer schwieriger. 1926 beschloß das Bayerische Innenministerium ein "Gesetz zur Bekämpfung von Zigeunern, Landfahrern und Arbeitsscheuen". Langsam wurde die totale Erfassung, Verfolgung und Vernichtung der Zigeuner im Dritten Reich vorbereitet. In München war schon 1905 das "Zigeuner-Buch" von Alfred Dillmann im Auftrage des K.B. Staatsministeriums des Inneren "zum amtlichen Gebrauche" erschienen. Dort wurde schon von "Zigeunerplage" gesprochen, Überwachung angeordnet und eine Namensliste der Roma und Sinti veröffentlicht. In den Erlässen der 20er und 30er Jahre wurden schließlich alle ‚Zigeuner' als mögliche Verbrecher betrachtet und von der Polizei entsprechend behandelt. 1927 schreibt auch das preußische Innenministerium vor, alle Roma erkennungsdienlich zu erfassen. Personalien, Photos und Fingerabdrücke wurden sogar schon bei Kindern registriert, 1929 übernahm dann auch Hessen das bayrische Gesetz zur Bekämpfung des ‚Zigeunerunwesens'. In Artikel 5 hieß es dort:
"Das Reisen oder Rasten in Horden ist Zigeunern und Landfahrern verboten". Als "Horde" galt bereits die Vereinigung von zwei Familien. "Damit war das Zigeunersein, das Leben als Zigeuner, die Zigeunerkultur grundsätzlich verboten; jeder Zigeuner wurde potentiell für einen Verbrecher gehalten" (Bernhard Streck, "Die ‚Bekämpfung des Zigeunerunwesens'" 1979).
Mit der damals geltenden deutschen Verfassung waren diese Erlässe eigentlich nicht vereinbar. Der Staat aber war schon zu schwach um seine eigenen Prinzipien durchzusetzen.
Auch die später so verhängnisvolle Rassenideologie ist nicht erst im Nationalsozialismus erfunden worden. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen Zeitschriften, die sich mit ‚Volk und Rasse' befaßten. Ein Obermedizinalrat Theodor Viernstein vertrat in einem Vortrag schon 1933 die Meinung, daß als " ‚unverbesserlich' Eingestufte ... im Sinne der Erneuerung und Aufartung des Volkes" sterilisiert werden sollten (Michael Schenk ‚Rassismus gegen Sinti und Roma', 1994 S.38).
In der nächsten Nummer werden wir über die Verfolgung der Roma und Sinti während des Nationalsozialismus berichten. Der Abschnitt der Geschichte, über den wir diesmal berichtet haben, lehrt uns wie sich solche Katastrophen langsam ankündigen. Deshalb ist es auch so wichtig drohende Anzeichen ernst zu nehmen, rechtzeitig Alarm zu schlagen und auch alle gutwilligen Gadsche nachdrücklich darauf aufmerksam zu machen.
Es ist wichtig drohende Anzeichen ernst zu nehmen, rechtzeitig Alarm zu schlagen.
Photo: S. Vasaljai
ROMANO CENTRO Nr. 10, 09/1995
|
|
 |
ROMANO CENTRO
2001
2000
1999
1998
1997
1996
1995
1994
1993
|
|