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EINE GESCHICHTE VOM GLÜCK
(2. Teil, gekürzt)
von Mišo Nikolić
... So wanderte und wanderte er und als die Sonne am Nachmittag unterging, sah er auf einer schönen Wiese einen großen Baum, unter dem ein sehr alter Mann mit ganz weißen Haaren und weißem Bart saß. Das war der liebe Gott. Peter grüßte: "Du sollst glücklich sein, alter Mann!" Und der liebe Gott antwortet ihm: "Auch du, Peter! Setz dich nieder und ruh' dich aus von deiner langen Reise!" Peter wunderte sich: "Alter, wieso kennst du meinen Namen?" "Ha", antwortet der liebe Gott, "ich weiß, wohin du gehst und warum du gehst, weil ich Gott bin." "Verzeih mir, lieber Gott, daß ich dich nicht erkannt habe". "Das ist überhaupt kein Problem, Peter. Leg' dich hin und schlafe, und morgen werde ich dir alles erklären, du mußt nur eine Woche hier bleiben." Und Peter war es zufrieden.
Am Morgen, als Peter aufwachte, sah er eine sehr schöne Villa: mit Türen und Fenstern ganz aus Gold - alles glänzte. Gott rief Peter hinein in das große Haus, auf daß er es auch innen betrachten könne.
Ich, Mišo, der diese Geschichte schreibt, wünsche mir, daß von nun an ein jeder von euch, der sie lesen oder hören wird, gut darüber nachdenkt, ob nicht eine tiefe Weisheit für das Leben der Menschen aus ihr hervorgeht.
Als Peter nun am ersten Tag das Haus betrat, gab es tatsächlich viel zu sehen ... Am achten Tag, kam der liebe Gott und sagte: "Du hast gesehen, Peter, was in dieser Woche war." Peter antwortete verwundert: "Heiliger Gott, so ist ja es wirklich ..." Darauf sagte der liebe Gott: "Peter, am ersten Tag hast du jene reichen und glücklichen Menschen gesehen, die mit Geld und Goldstücken spielen, und alles haben, was sie sich nur wünschen. Sie aßen und tranken aus goldenen Tellern und Bechern. Siehst du, in einer solchen glücklichen Stunde wurde dein Bruder Marko geboren, darum ist er auch glücklich und reich.
Die Menschen, die am zweiten Tag geboren wurden, haben viel Häuser, Geld, zu essen und zu trinken, nur haben sie nicht soviel Gold und Dukaten. Am dritten Tag hast du Menschen gesehen, die in einer solchen Stunde geboren wurden, daß sie ein Haus, zu essen, zu trinken, aber nur wenig Geld haben.
Am vierten Tag wurden Menschen geboren, die ihr ganzes Leben arbeiten gehen müssen, um etwas zu essen und zu trinken und ein Häuschen zu bekommen.
Am fünften Tag jene, die ihr ganzes Leben arbeiten müssen, nur um ein Zimmerchen und eine Küche und irgendetwas zu essen zu haben.
Am sechsten Tag habe ich dir Menschen gezeigt, die sich ihr ganzes Leben freuen, wenn sie überhaupt etwas haben, wo sie ihren Kopf hinlegen können und ein Stück Brot zu essen bekommen.
Der siebente Tag brachte nur mehr eine windschiefe Hütte, und es gab weder Bett, Tisch noch Brot. In jener Stunde wurdest du geboren, Peter. Und du wirst also dein ganzes Leben lang arm und unglücklich sein.
Nur hör zu, was ich dir sage. Dein Bruder hat eine Tochter, die in der selben Stunde wie ihr Vater geboren wurde. Wenn du nach Hause kommst, sag ihm Bruder, er soll sie dir geben, damit du sie großziehst, denn in ihrem Glück wirst du zu einem reichen Mann werden, noch reicher als dein Bruder. Nur eines sage ich dir: Wenn du reich geworden bist, darfst du niemals sagen, das sei dein Reichtum, sondern immer. 'es ist Milicas'!". ....
Dann empfahl der liebe Gott Peter, den drei Burschen, die niemals satt werden konnten, auszurichten, sie sollten ihre alten Eltern hinter dem Ofen hervorholen und ihnen den ersten Teller geben. Nur dann würden sie sogar aus einem einzigen Teller satt werden ... Und so wanderte Peter bis nach Hause, nahm die Tochter des Bruder zu sich und von diesem Tag an begann es ihm wirklich gut zu gehen. Innerhalb von drei, vier Jahren verwandelte er sich zum reichsten und angesehensten Mann. Auf seinem Grund wuchs das beste Getreide, auf den Bäumen die schmackhaftesten Birnen, Äpfel und Zwetschken, er hatte den besten Mais, er erntete dreimal im Jahr. Er kaufte noch viele Felder und ein ganz großes Haus. So wuchs das Mädchen Milica bei ihm auf.
Danach vergingen zehn Jahre, Peter wanderte jeden Tag durch seine Weingärten, über die Wiesen und zwischen den Blumen in seinen schönen Gärten umher. Die Menschen kamen vorbei und fragten ihn: "Wem gehört all dieser Reichtum und diese Herrlichkeit?" Und er antwortete immer: "Dies alles gehört Milica." Als er eines Tages wieder durch sein Getreide und durch die Weingärten wanderte, kamen wieder Leute vorbei und unterhielten sich, sie sagten: "Mein Gott, welch schönes Getreide und wem gehört dieser schöne Wein, diese schönen Bäume und das wunderbare Haus, wem dies gehört, der ist wohl der glücklichste Mensch!" Als Peter hörte, was die Leute sprachen, sagte er voll Stolz zu ihnen: "Dies alles, was ihr hier seht, gehört mir!" Er hatte vergessen, was ihm Gott aufgetragen hatte.
Auf einmal, ganz plötzlich fing alles an zu brennen, das Haus, das Getreide, die Bäume und die Weingärten. Peter lief hinter den Leuten her und schrie: "Nichts von alldem gehört mir! Das alles gehört Milica!" Nur es nützte ihm gar nichts mehr ....
Als alles abgebrannt war, kam sein Bruder und nahm ihm das Mädchen weg. Peter verarmte sosehr, daß er nichts mehr hatte, wohin er seinen Kopf hätte hinlegen können.
Nun meine Freunde, ist dies nicht die Wirklichkeit, wie es dem Menschen von Gott bestimmt ist, so wie er leben muß, so muß er auch sterben ?
Der eine wird glücklich geboren, er lebt glücklich auf der Welt und stirbt auch reich. Der andere kommt unglücklich auf diese Welt, lebt ärmlich auf ihr und stirbt auch in Armut.
Erzählt und aufgeschrieben hat diese Geschichte der Mišo.
"Ich weiß wohin du gehst und warum du gehst, weil ich der liebe Gott bin."
ROMANO CENTRO Nr. 10, 09/1995
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