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AUS UNSERER GESCHICHTE (Teil VII)
von Ilija Jovanović
Schon zur Zeit ihrer Leibeigenschaft in Rumänien, über die wir in der letzten Nummer berichtet haben, lebten viele verschiedene Romagruppen auch in der Walachei, einem Teil des heutigen Rumänien. Meist bildeten Berufsgruppen die Sippen, aber auch nach den jeweiligen Dienstherren wurden die Roma benannt. Alle aber haben etwa 500 Jahre in der Walachei gelebt, dort den orthodoxen Glauben angenommen und natürlich auch rumänische Lehnwörter in ihre Sprache aufgenommen. Deshalb unterscheidet man bis heute im Romanes die Vlach- und die Nonvlach-Gruppe. In der Vlach-Gruppe finden sich Laute und Worte aus dem Rumänischen, dennoch verstehen sich Roma beider großen Gruppen über alle Grenzen hinweg.
Als nun 1856 die letzten Roma aus der Sklaverei befreit waren, verloren viele auch die wirtschaftlichen Grundlagen. Als Leibeigene waren sie schlecht behandelt, aber wenigstens ernährt worden. Nun galt es neue Lebensgrundlagen zu suchen. In kleineren Gruppen von maximal 150 Personen zogen viele aus der Moldau in das benachbarte Bessarabien und in die Ukraine, manche gelangten sogar bis Rußland und Sibirien. Andere wanderten nach Bulgarien, nach Serbien oder ins Banat, nach Siebenbürgen und Ungarn. Von dort aus ging es oft weiter nach Westeuropa. Manche Gruppen kamen bis nach Amerika und Australien.
Nach wenigen Jahrzehnten verließen Gruppen, die nach Nordosten gezogen waren, auch wieder Rußand und wandten sich auf der Flucht vor Hungersnöten oder politischer Verfolgung wieder nach Westen.
An Hand einzelner Familienschicksale kann man diese zweite große Wanderung gut belegen. Matéo Maximoff, der große Rom-Schriftsteller, erzählt zum Beispiel, daß seine Vorfahren um 1870 Siebenbürgen (damals Ungarn, heute Rumänien) verlassen haben, nach Rußland gezogen und bis 1910 dort geblieben sind. Nach Reisen durch ganz Europa sind sie dann sogar bis Spanien gelangt und haben sich schließlich in Frankreich niedergelassen. Die Sippe war eines Tages aber zu groß geworden, hat sich geteilt, weil kleinere Gruppen auf der Wanderschaft leichter überleben. So ist ein anderer Zweig bis nach Schweden gekommen.
Auf der Wanderschaft waren die Roma immer auf der Suche nach wirtschaftlichen Überlebensmöglichkeiten. Oft haben sie auch Berufe ergriffen, die den Gadsche (Nichtzigeunern) zu mühsam waren, weil sie Mobilität erforderten. Roma mußten sich danach richten, haben das Beste daraus gemacht, auch die Vorteile des Wanderlebens lieben gelernt und sich daran gewöhnt. Man darf aber nicht vergessen, daß viele nur dadurch überleben konnten. Nie hat man ihnen dieselben Chancen eingeräumt wie allen anderen Menschen. Man stelle sich nur vor, was es heißt, mit Kindern im Winter in einem Wohnwagen zu hausen, wenn draußen der Schnee stürmt und die Wölfe heulen. Nach überstandener Gefahr können alte Roma über solche Situationen noch aufregende Geschichten erzählen, für die Familien freilich war dieses Leben von unvorstellbarer Härte.
Auf der Wanderschaft waren die Roma immer auf der Suche nach wirtschaftlichen Überlebensmöglichkeiten.
Photo: C. Heynen
ROMANO CENTRO Nr. 08, 03/1995
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