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BRUTALER MORDANSCHLAG IN OBERWART
Der brutale Anschlag in Oberwart in der Nacht vom 4. auf 5. Februar ist ein gemeines rassistisches Verbrechen. Das Leid der betroffenen Familien hat uns erschüttert.
Viele Gedanken beschäftigen uns seither. Zu unserem Entsetzen über den grausamen Tod von Erwin und Karl Horvath, Josef Simon und Peter Sarközi hat sich zunehmende Angst um das Schicksal aller Roma gesellt.
Zuerst haben die Österreichischen Sicherheitsbehörden die Wohnungen in der Romasiedlung untersucht und etwa 36 Stunden lang vermutet, die Roma könnten sich vielleicht selbst in die Luft gesprengt haben. Man wollte wissen, ob sie miteinander Streit hatten oder die kleine Tafel mit der Aufschrift "Roma zurück nach Indien" mitten in der Nacht vielleicht selbst mit Sprengstoff beseitigen wollten. Lange hat es gebraucht bevor zugegeben wurde, daß niemand in der Siedlung in der Lage gewesen sein kann eine solche Bombe zu basteln. Was immer passiert, es werden eben immer noch zuerst die Roma verdächtigt. Als sich herausgestellt hat, daß es sich um ein gemeines Attentat auf die Roma gehandelt hat, wurde ihnen Mitgefühl entgegengebracht, der Bundeskanzler war erschüttert über den Zustand der Siedlung und versprach Hilfe. Der Bundespräsident und Minister wohnten dem Begräbnis bei, hielten Reden für das Fernsehen und erklärten sich solidarisch mit den 'österreichischen Roma'.
Kritik an den Sicherheitsorganen, die auch die Briefbombenserie nie aufgeklärt haben, scheint nun schon wichtiger als eine Diskussion über das politische Klima unseres Landes. Immer mehr Österreicher sind besorgt um die eigene Sicherheit. Der Ruf nach Gesetz und Ordnung wird lauter. Von den Mördern gibt es bisher keine Spur, wohl aber wird die Durchführung der schärfsten Ausländergesetze Europas immer brutaler. Unter ihnen leiden in erster Linie Roma, die vor Jahren als Gastarbeiter willkommen waren, heute aber des Landes verwiesen werden.
Wir lassen keinen Keil zwischen 'guten österreichischen' und anderen 'bösen' Roma treiben. Romano Centro und die Präsidentin des Romavereins Oberwart haben das auf einer Pressekonferenz betont und zwei tragische Fälle vorgestellt.
Der fleißige Rom-Arbeiter Dušan Nikolić und seine Familie, zum Beispiel, die bis heute auf ihre Aufenthaltsbewilligung warteten, haben sie nun bekommen. Sein 16-jähriger Sohn war in der Silvesternacht 1993/94 von einem österreichischen Nazi mit dessen Wehrmachtsbajonett und neben seinem kleinen Bruder auf offener Straße erstochen worden. Darüber hat sich damals niemand aufgeregt.
Wir akzeptieren keine Krokodilstränen, wenn gleichzeitig Familien auseinandergerissen, Menschen für ihren geringen Verdienst und ihre sündteuren kleinen Wohnungen bestraft werden.
Nicht nur in der Vergangenheit wurden Roma diskriminiert, verfolgt und ermordet, sondern sogar in der Gegenwart, in einer Zeit, in der die Menschen viel aufgeschlossener Anderssprachigen und anderem Kulturgut gegenüberstehen sollten, passieren Morde aus rassistischen Gründen. Dieses abscheuliche Bombenattentat in Oberwart sollte uns alle in Österreich ermahnen und wachrütteln, sehr sorgfältig auf unser Denken zu achten, niemals inhuman und diskriminierend über andere Menschen zu urteilen. Zu hoffen ist, daß nach dem Bombenattentat vom 5. Februar ein Umdenken einsetzt und die Betroffenheit der österreichischen Öffentlichkeit dazu führt, daß man sich der Probleme nicht nur der Burgenland-Roma, sondern aller Roma endlich annimmt.
Emmerich Gärtner-Horvath
(Geschäftsführer Verein Roma)
Der brutale Mord in Oberwart und das Leid der Hinterbliebenen hat uns tief betroffen. Unsere Gedanken sind bei ihnen.
Photo: Gerhard Sokol
ROMANO CENTRO Nr. 08, 03/1995
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