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AUS UNSERER GESCHICHTE (TEIL VI)
von Ilija Jovanović
Während in West- und Mitteleuropa mehr oder minder gut gemeinte Maßnahmen der Zwangsassimilierung vor sich gingen, die 'Zigeuner' angesiedelt und missioniert wurden, erging es den Roma in Osteuropa ganz anders.
Die rumänischen Fürstentümer Walachei und Moldau begannen schon in der Zeit nach den Kreuzzügen, ab dem 13. Jahrhundert regen Handel sowohl mit den reichen Hansestädten im Westen als auch mit dem oströmischen Reich. Das brachte Reichtum in das Land. Wahrscheinlich deshalb begannen schon im 13. Jahrhundert Roma aus Griechenland in diese Gegend zu ziehen. Sie fanden reichlich Arbeit und wurden als Schmiede, Kesselmacher, Löffelschnitzer und Siebmacher hoch geschätzt. Als dann aber die Türken in diese Gebiete vorrückten, änderte sich die wirtschaftliche Lage. Der Handel mit dem osmanischen Reich kam zum Erliegen, die den Türken tributpflichtigen Fürsten und Klöster verlangten von den Bauern immer höhere Steuern, sodaß sie sich schließlich selbst verkaufen mußten. Sie gerieten in Leibeigenschaft und die 'Zigeuner' mit ihnen.
Die ersten Schriften, in denen Roma erwähnt werden, sprechen 1382 bereits von Sklaven (robii), die ein rumänischer Prinz an ein Kloster verkaufte. Nach den Dienstherren kann man diese Sklaven einteilen in:
Tiganii domnesti d.h. Zigeuner im Besitz des Staates oder des Prinzen,
Tiganii boieresti im Besitz der Großgrundbesitzer oder Bojaren und
Tiganii manastiresti d.h. Zigeuner im Besitz der Klöster.
Die Tiganii domnesti durften wandern und ihr Handwerk ausüben, mußten aber einen jährlichen Tribut an den Fürsten zahlen. Sie durften auch das Gebiet des Fürsten nicht verlassen.
Die beiden anderen mußten das Land als rechtlose Landarbeiter bearbeiten, sie wurden auch Tiganii de ogor (Landzigeuner) genannt. Daneben gingen sie ihren alten Gewerben nach, durften aber nicht herumreisen und der Besitzer konnte sie familienweise verkaufen.
Die Leibeigenen durften nur mit Erlaubnis ihres Grundherren heiraten, Heiraten zwischen Leibeigenen und Freien waren überhaupt verboten, geschah das doch einmal, wurden die Nachkommen, wie die der Zigeuner automatisch auch zu Leibeigenen. Noch 1837 schrieb der rumänische Schriftsteller Michael Kogalniceanu:
"In meiner Jugend sah ich in den Straßen von Jassy (Stadt in der Moldau) menschliche Wesen mit Ketten an Händen und Füßen. Einige von ihnen trugen sogar einen eisernen Ring um den Kopf oder Hals. Grausam ausgepeitscht zu werden, zu hungern, nackt in den Schnee oder in zufrierende Flüsse geworfen zu werden, mit Rauch fast bis zum Ersticken gequält zu werden: einer solchen Willkür werden die Zigeuner ausgesetzt. Die Heiligkeit ihrer Ehen und ihrer Familienbindungen wurde entehrt ... Weder die Menschen noch die Kirche oder die Gesetzeshüter zeigten irgendein Mitgefühl ..."
Nicht alle Grundherren waren so grausam, man erzählt auch von Roma-Hausangestellten, denen allein die Schlüssel des Hauses anvertraut wurden, wenn die Herrschaft verreiste. Durch die unterschiedlichen Lebensbedingungen, auch der Seßhaften und der Umherziehenden, dadurch daß diese Leibeigenen den Glauben und die Sprache ihrer Herren annehmen mußten und oft die eigene vergaßen, wurden die Roma in viele Gruppen zersplittert. Gemeinsam aber war ihnen, daß sie als die unterste soziale Schicht angesehen wurden und bis heute werden in Rumänien die Roma verächtlich 'Tsigan-' oder 'rob' (Sklave) genannt.
Immer mehr Schriftsteller und Sozialreformer kritisierten diese Zustände. Der walachische Prinz Alexander Ghika ließ 1837 als erster schließlich seine Roma frei, langsam folgten andere und erst 1856 wurden in der Walachei die letzten Roma aus der Sklaverei befreit.
Mit einem Schlag mußten sich damit viele der 200.000 Roma neue Wohnsitze suchen. Wieder begann eine große Wanderung. Davon aber in der nächsten Folge.
Erst 1856 wurden in der Walachei, im heutigen Rumänien, die Roma aus der Skaverei befreit. Wieder einmal begann damals eine große Wanderung.
Photo: Horvath M. Judit
ROMANO CENTRO Nr. 07, 12/1994
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