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AUS UNSERER GESCHICHTE (TEIL V)
von Ilija Jovanović
Ähnlich wie in Österreich Ungarn, über das wir in der letzten Nummer berichtet haben, verlief die Geschichte auch in Spanien: Im 15 Jahrhundert eingewandert, waren die 'Gitanos' lange Zeit brutal verfolgt worden. Um 1783 versuchte dann der liberale König Karl III sie auf sanftere Weise zu 'zivilisieren': In 44 Artikeln wurde genau festgeschrieben was die Roma tun durften und was ihnen verboten war. Die Bezeichnung 'Gitano' war nicht mehr erlaubt, die Roma sollten 'Neu Kastilier' (Nuevos Castellanos) oder Neu-Ungarn genannt werden. Das war gut gemeint, weil 'Gitanos' ein verächtliches Wort war, man hatte 'Gitanos' für die Nachkommen - Kains aus der Bibel gehalten.
Nun sollten sie zwar nicht mehr diskriminiert werden, sich aber von der übrigen Bevölkerung auch am besten gar nicht mehr unterscheiden. Das Umherziehen, ihre Sprache und Kleidung wurde ihnen verboten. Sie sollten unbedingt sesshaft werden und wurden sogar dazu angehalten Handwerke auszuüben, die ihnen bisher nicht erlaubt gewesen waren. Die Bevölkerung aber behandelte die Roma in den Städten und Dörfern deshalb überhaupt nicht besser, also blieb vielen Gitanos damals gar nichts anderes übrig als weiter ihr Wandergewerbe auszuüben, nur unter noch schlechteren Bedingungen.
Lt. Rüdiger Vossen (Zigeuner, Katalog zur Ausstellung des Hamburgischen Museums für Völkerkunde, Ullstein Sachbuch,1983 ) sind die andalusischen Roma als 'Haus-Zigeuner' nun seit vielen Generationen schon sesshaft und relativ gut integriert. Sie arbeiten als Schmiede, Pferdehändler. Kutscher, Kellner, Flamenco-Tänzer, Sänger oder Stierkämpfer. Die Gitanos catalanes sind ebenfalls recht gut integriert, während die kastilischen und extremenischen Gitanos in Spanien bis heute große wirtschaftliche und soziale Probleme haben.
Ceija Stoija über ihre Eindrücke beim 50 Jahre Gedenken des Holocaust in Ausschwitz:
Ausschwitz lebt und atmet immer noch in mir, ich spüre noch heute das Leid. Jeder Grashalm, jede Blume dort, ist die Seele eines Toten. Ich habe viel gesehen, alles war wieder sehr nah. Überall spürt man, daß die Seelen mit einem mitgehen. Es ist unbegreiflich, daß es Menschen gab, die solch eine Stätte des Grauens errichten konnten. Ausschwitz war viel schlimmer als Kriege. Meine Kinder waren sehr erschüttert. Jetzt erst habe ich dort den Todestag meines kleinen Bruders erfahren.
Ich frage mich, ob die Welt wirklich eine Lehre aus Ausschwitz gezogen hat. Könnte so etwas heute nicht mehr geschehen? Wohin, denken die Menschen, sollen Zigeuner gehen, wenn sie nirgends willkommen sind? Wovon sollen sie leben, wenn man ihnen die Arbeit verweigert? Welche Chancen bleiben ihren Kindern? Haben sich die Menschen geändert? Was geschieht, damit das Grauen nie wieder erwacht? Manchmal habe ich Angst Ausschwitz könnte nur schlafen.
Josefa zog ihr die Tuchent bis zum Kinn hoch. Aber das Mädchen deckte sich wieder ab und hielt Josefa ihre Puppe entgegen. Sie fürchtet sich, sagte sie, darf sie bei dir schlafen?
Aus Erich Hackl"Abschied von Sidonie", Diogenes, 1989
Zeichnung: Ceija Stojka
ROMANO CENTRO Nr. 06, 09/1994
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