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DIE EISERNEN TEUFEL
von Ilona Ferková, Tschechien
Übersetzung: Milena Hübschmannova
In einer Stadt lebten viele Roma und alle benahmen sich zueinander wie Brüder. Sie haben gearbeitet und verdienten gutes Geld. Viele Jahre lebten sie zufrieden in dieser Stadt.
Einmal geschah es, daß man eiserne Teufel in die Stadt gebracht hatte, die Geld fraßen. Man hatte sie in jedes Gasthaus gestellt. Früher gingen die Roma ins Gasthaus, um Bier zu trinken und um miteinander zu reden - aber jetzt? Sie sahen die eisernen Teufel und fragten sich: "Was ist das? Sie haben viel Geld in ihrem Bauch!"
Die Romleute spielten mit dem eisernen Teufel. Sie verspielten das ganze Geld, aber das rote Teufelsauge blitzte und blitzte und im Teufelsbauch war ein Haufen Geld - und die armen Dummen glaubten, eines Tages werden sie Glück haben und reich sein.
Ich will Ihnen von einer Romfrau erzählen, die auch so verrückt geworden ist. Sie hieß Helena und hatte zwei Kinder. Ihr Mann ist gestorben und sie blieb allein mit den Kindern. Der Knabe war zwölf Jahre alt und das Mädchen acht. Hören Sie zu, weil das, was ich Ihnen erzähle, ist die reine Wahrheit!
Vorher war Helena eine gute Mutter. Sie schickte sie in die Schule, damit sie einmal, wenn sie groß sind, bessere Arbeit als ihre Mutter finden. Sie konnte nur lesen und schreiben, sonst nichts, und so ging sie in fremde Häuser putzen. Aber sie konnte gut mit dem Geld wirtschaften. Bis zu der Zeit, als die eisernen Teufel in die Stadt kamen...
Eines Tages kam Helena in das Gasthaus, weil ihr die Romleute von den Teufeln erzählt haben. Sie wollte sie sehen. Sie schaut und schaut! So viel Geld! Das falsche Silber hat ihr in die Augen gestrahlt! "Das alles kann dein sein!" sagte ihr das rote Teufelsauge. "Einmal kann ich es probieren", sagte Helena zu sich. "Wenn ich gewinne, werde ich dem Mädchen einen Anorak kaufen und dem Jungen eine neue Hose, damit die Gadschekinder sehen, daß auch Romakinder wie große Herren gekleidet herumgehen."
Helena warf zwanzig Kronen in die Spielmaschine. Sie hat gewonnen! Aber nicht genug um den Anorak zu kaufen. "Einmal habe ich gewonnen, das nächste Mal werde ich auch gewinnen!" sagte Helena zu sich selbst. Sie warf dem Teufel noch zwanzig Kronen in den Mund. Sie verlor. "Das geht nicht!" sagt sie zu ihm. Jetzt mußt du mir alles zurückgeben, was ich dir gab!" Sie hat ihm noch zwanzig Kronen in den Mund geworfen. Wieder hat sie verloren. Nur zwanzig Kronen sind ihr geblieben. Sie wollte Butter kaufen und Brot, aber zwanzig Kronen waren nicht genug. "Gut, kaufe ich nur ein halbes Stück Butter", sagte sie zu sich selbst und lief schnell weg von dem Gasthaus, damit sie das Teufelsauge nicht zurückzieht.
Am nächsten Tag ist sie von der Arbeit nach Hause gekommen und lief sofort in das Gasthaus, um zu spielen. "Ich muß von ihm mein Geld zurückbekommen!" Und so ging es jeden Tag. Einmal hat sie gewonnen, hundertmal hat sie verspielt. Je mehr Geld sie in den eisernen Teufel geworfen hat, desto mehr hat er sie in seiner Macht gehabt. Die Kinder waren allein zu Hause. Helena ist nachts heimgekommen, sie fand die Kinder weinend vor Hunger. Es tat ihr leid, sie hat auch geweint und sie hat sie geküßt: "Meine lieben Kinder, was kann ich euch zu essen geben? Der Vater ist gestorben, ich bin mit euch allein geblieben!" Aber sie wußte in ihrem Herzen, daß sie selber schuld war. Sie schwor sich, nie wieder zu spielen. Aber am nächsten Tag eilte sie wieder in das Gasthaus.
Der Junge konnte nicht mehr mitanschauen, was die Mutter tat. Er war ein braver, kluger Knabe. "Warte, ich werde schon etwas finden, was die Mutter zu Verstand bringt." Er überlegte und überlegte und er hat zu Gott gebetet. "Süßer Gott, bringe die Ehre unserer Mutter wieder zurück!" Plötzlich hat er sich an seinen Vater erinnert. Der Vater war ein ehrlicher, arbeitsamer Mensch gewesen. Als der Vater noch gelebt hatte, war die Familie sehr glücklich gewesen. Jeder hatte sich benonmmen, wie es Gott gefiel.
"Mutti", sagte der Junge am Morgen zu der Mutter, "ich habe von Vater geträumt. Er hat mir gesagt: 'mein Sohn ich kann nicht mehr zusehen wie ihr, du und deine Schwester, leiden. Wenn deine Mutter nicht aufhört zu spielen, werde ich dich zu mir nehmen.'"
"Was sagst du denn, mein Sohn!" sagte die Mutter, "solche dummen Reden! Du kriegst eine Ohrfeige von mir!"
"Glaubst du es nicht?" rief der Junge. "Geh nur, geh noch einmal spielen! Der Vater nimmt mich zu sich. Dort wird es mir besser gehen." Und er schaute die Mutter mit seinen großen, schwarzen Augen an und lief weg.
Helena hat sich aufs Bett gesetzt und geseufzt. "Oh, was mache ich, mein lieber Gott! Ich verspiele das Geld der Kinder. Sie hungern. Was soll ich tun?" Sie faßte sich mit den Händen an den Kopf und weinte. "Auch heute werden sie nicht essen, wenn du nicht spielen gehst und Geld gewinnst!" sagte der Teufel, der von ihr Besitz ergriffen hatte. Sie sprang auf und lief in das Gasthaus. Heute noch einmal spielen und dann nie wieder! Sie spielte und verspielte. Nachts kam sie nach Hause, die Kinder schliefen schon. "Gut, nichts ist geschehen," sagte sie zu sich selbst. "Der Junge sprach nur dummes Zeug." Auch sie legte sich schlafen. Sie träumte von ihrem Mann. Er kam zu ihr, er sprach kein Wort und fing an, sie zu würgen. "Eine Mutter, die sich nicht um ihre Kinder kümmert, ist keine Mutter, kein Mensch. Es ist schade, daß Gott ihr menschliches Leben gab." Und der Mulo erschreckte sie so, daß sie mehr tot als lebendig war. Sie schaute nach dem Knaben, er lag im Fieber und stöhnte.
Da fiel Helena mit aufgelöstem Haar auf die Knie, sie hob die Hand und rief weinend: "Ach Gott, mein süßer Gott, hilf mir! Rette mich, rette meinen Sohn! Ich schwöre dir mein Gott, und auch dir, mein Mann, daß ich nie mehr zu dem eisernen Teufel gehen werde! Laß meinen Sohn nicht sterben!"
Die ganze Nacht blieb sie bei dem Jungen, sie hielt ihn an der Hand, weinte und betete zu Gott. Sie dachte nicht an die eisernen Teufel. Sie hatten keine Macht mehr über sie.
Der Junge pflückte Blumen und brachte sie an das Grab des Vaters. Und was geschah mit den Roma in der Stadt? Sie waren nicht mehr wie Brüder zueinander. Sie waren wie Hunde. Wenn einer mit dem eisernen Teufel spielte, sagte der andere leise zu sich: "Verspiele, verspiele!"
Was wird weiter geschehen? Ist es notwendig, daß man ganz hinunter in den schmutzigen Morast fällt, um den Weg hinauf wieder zu finden? Und wenn er Helena sieht, dann denkt sich so mancher Rom: Wenn sie sich vom Teufel losreißen konnte, warum kann ich das nicht auch?
Der Teufel hat den Menschen mit seinen roten Augen angezwinkert. "Komm her, siehst Du das Geld in meinem Bauch? ... Du wirst reich werden"
Photo: Horvath M. Judit
ROMANO CENTRO Nr. 05, 06/1994
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