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VEREINHEITLICHUNG UNSERER SPRACHE
von Lev N. Čerenkov und Mozes F. Heinschink
In Straßburg hat eine Sprachkommission getagt. Das Papier, das der Tagung zugrunde lag, hat uns zu einer grundsätzlichen Stellungnahme zur Frage der Vereinheitlichung der Sprache der Roma angeregt. Der Text in Romanes ist ausführlicher, die wesentlichen Punkte wollen wir aber auch jenen unserer Leser nicht vorenthalten, die nicht Romanes verstehen:
Die Liste, die bei dem Straßburger Treffen diskutiert wurde, haben wir studiert und bewundern die große linguistische Arbeit, die ihr zu Grunde liegt. Vom theoretischen Standpunkt aus halten wir sie für wertvoll, für die praktische Anwendung jedoch, unserer Meinung nach, nicht geeignet. Es stellt sich daher die Frage, ob die erarbeitete Sprachform den so bedürftigen Roma überhaupt und wenn, dann in welcher Weise zugute kommen könnte.
Man wo immer Roma leben, sind sie gezwungen sich im öffentlichen Leben der Sprache des Mehrheitsvolkes zu bedienen. Das ist ein Zwang, dem sie sich immer unterwerfen mußten, mit der Sprache der eigenen Gruppe aber identifizieren und verteidigen sie sich. Das Bestreben, die Sprache zu vereinheitlichen, setzt selbstverständlich die Konstruktion eines geeigneten Klassifizierungsprinzips voraus. Wir verstehen, daß deshalb alle nicht relevanten Merkmale der einzelnen Gruppen für ungültig erklärt werden müssen. Damit versucht man aber unweigerlich Macht auszuüben (siehe auch Pierre Bourdieu, 'Ce que parler veut dire. L'economie des echanges linguistiques` 1982, Librairie Artheme Fayard, Paris, Chap.3).
Dadurch ist, unserer Meinung nach, eine Solidarität jedoch nicht erreichbar. Um für den Unterricht geeignete Bücher produzieren und lesbare Roma-Zeitschriften drucken zu können, müßten sich die Fachleute auf mindestens fünf Sprachen einigen. Das würde den verschiedenen Gruppen und ihren Kindern ermöglichen, in einer vertrauten Sprache lesen zu lernen, auch wenn sie nicht ganz mit dem daheim verwendeten Idiom übereinstimmt. Alle anderen Ansinnen scheinen uns zum Scheitern verurteilt. Was immer in einer künstlichen Einheitssprache veröffentlicht oder gesprochen wird, mag Wissenschaftlern zu Ruhm, Roma aber nicht zum Nutzen gereichen.
"Die Sprache ist unsere Heimat" hat Rajko Djurić vor kurzem erst wieder formuliert. Auch als integrierte Staatsbürger wollen wir sie so pflegen wie wir sie von unseren Eltern gelernt haben und uns doch über alle Grenzen verstehen.
Photo: Horvath M. Judit
ROMANO CENTRO Nr. 05, 06/1994
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