|
<
zurück | Romani
DER PRIESTER UND DER TEUFEL
von Karl Nitsch
Es war, weil es nicht war. Im Dorf lebte einmal ein ehrwürdiger Priester. Er hielt es sehr mit den Frauen und Mädchen und weil er so verdorben war, kam eines Tages der Teufel, und wollte ihn holen. Der arme Priester sieht den Leibhaftigen und sagt zu ihm: "Ehrwürdiger Teufel, treib doch mit mir nicht deinen Spaß. Kannst du mich nicht in Ruhe weiterleben lassen? Gib mir doch noch eine Chance!". "Ja, lieber Priester, ich gebe dir noch eine Chance und lasse dich weiterleben, wenn du mir etwas zeigst, was ich noch nie gesehen habe. Morgen um Mitternacht komm ich es mir anschauen, wenn du aber nichts findest, muss ich Dich mitnehmen!"
Der arme Priester läuft überall herum, sucht, frägt und schaut. Wo nur könnte er etwas finden, das der Teufel noch nicht gesehen hat? Er geht zu seiner dicken Magd, die für ihn kocht und den Haushalt führt. Sie wiegt an die 120 Kilo, aber auch sie weiß nichts, woher auch sollte sie was wissen? In seinem Unglück geht der Priester sogar zur Ziege in den Stall. Er schaut sie an, was soll ihm die Ziege aber sagen, was weiß schon eine Ziege, sie kann ja nicht einmal sprechen? Mitternacht naht bereits, es ist schon halb zwölf und immer noch weiß der Priester nichts.
Plötzlich aber hat er einen Einfall. Er läuft in die Küche zur Magd und zieht sie ganz nackt aus. Dann führt er sie zur Ziege in den Stall, die Ziege aber nimmt er heraus. Die Magd muß sich auf allen Vieren an deren Platz stellen, auch die Kette um ihren Hals befestigt der Priester. Die Ziege führt er weg und versteckt sie. Da schlägt es auch schon 12 Uhr und pünktlich steht der Teufel hinter ihm. "Nun Priester, hast du gefunden, was ich noch nie gesehen habe?" "Ich weiß nicht, Herr Teufel, aber komm und schau Dir an, was da ist!" Der Priester geht mit dem Teufel in den Ziegenstall und der schaut sich um. Einmal schaut er hinten, einnmal schaut er vom, schüttelt den Kopf, schaut wiederum vorne und wiederum hinten und schüttelt schließlich noch einmal den Kopf. "Mein lieber Priester, seit ich lebe, habe ich eine solche Ziege wirklich noch nie gesehen. Was ist das nur für eine Ziege? Sie hat die Euter vorne und den Bart hinten ?! Du sollst weiterleben, du hast mich besiegt. Bleib wo du bist!" Damit verschwand der Teufel und der arme Priester, wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.
Diese Geschichte erzählte mir Karl Nitsch vor über 20 Jahren. Karl Nitsch war ein bekannter und traditionsbewußter Rom vom Stamme der Lovara. Er war Ehrenmitglied von Romano Centro. Leider sind wir nun ohne ihn. Er verstarb vor 3 Monaten. Er war ein kluger, aufrichtiger und guter Freund. Er half vielen Menschen. Mit ihm haben wir einen guten Freund verloren. Sein Platz wird leer bleiben. Die Erde sei ihm leicht! (Mozes Heinschink)
Wir trauern um unser Ehrenmitglied Karli Nitsch, der, am 30.11.93 gestorben ist.
Photo: Renata M. Erich, Dragan Jevremović, Paul Meissner
ROMANO CENTRO Nr. 04, 03/1994
|
|
 |
ROMANO CENTRO
2001
2000
1999
1998
1997
1996
1995
1994
1993
|
|