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ROMA IN DER SLOWAKEI
von Renata Erich
In der letzten Nummer haben wir versprochen über die Roma in einem unserer Nachbarländer ausführlicher zu berichten. Aus aktuellen Gründen schreiben wir zuerst über die Slowakei: Im Mai gab das "Romathan" Theater aus Košice auf Einladung unseres Vereines ein Gastspiel im Interkulttheater. "Than perdal o Roma" hieß die Darbietung der Gruppe, die Anna Koptova im Mai 1992 mit staatlicher Unterstützung gegründet hat. Die Roma -Tänze und -Lieder waren erfrischend und hoffnungsvoll.
Aber auch äußerst bedrohliche Nachrichten kommen über die nahe Grenze: Im Juli meldeten die Presseagenturen, daß in der ostslowakischen Stadt Spisske Pohradie ein nächtliches Ausgehverbot über Roma "und andere verdächtige Personen" verhängt wurde. Nach Protesten von Menschenrechtsgruppen hat das slowakische Parlament eine Woche später diese Verordnung zwar wieder aufgehoben, die Stimmung gegen die Roma im Lande aber hat sich nicht gebessert. Im Gegenteil, sie wird immer gefährlicher: Ministerpräsident Meciar hat am 3.September in Spis (Zips) die Roma als "mental und sozial nicht anpassungsfähige" Bevölkerungsgruppe bezeichnet. Er will die Bewilligung von Sozialleistungen reduzieren und deren Zuteilung den Kommunalverwaltungen übertragen. Gegen seine Äußerungen gab es heftige Proteste u.a. von Romani Rose und Simon Wiesenthal, auch Romano Centro hat in einer Presseaussendung sofort schärfstens protestiert.
Früher einmal lebten die Slowaken ganz friedlich mit den Roma zusammen. Während der Nazizeit wurden sie diskriminiert, in Lager gesteckt und mußten dort Zwangsarbeit leisten. Unter den Kommunisten waren sie weiterhin verachtet, als ethnische Gruppe nicht anerkannt, wurden aber immerhin wie alle anderen Bürger beschäftigt. So manche haben in dieser Zeit sogar ihr Studium abgeschlossen. Viele wurden damals in das heutige Tschechien ausgesiedelt oder haben dort vorübergehend gearbeitet. Den Romnia wurde viel Geld für Sterilisation geboten, oft akzeptierten sie das, ohne überhaupt zu wissen, was ihnen geschah. All diese bösen Zeiten haben viele Roma trotz allem überlebt. Wieviele heute in der Slowakei leben, weiß niemand genau, ziemlich sicher aber über 10% der Bevölkerung, in Zahlen - zwischen 300.000 und 500.000. Seit 1991 sind sie als nationale Minderheit anerkannt.
Nach der "samtenen Revolution", einer kurzen Zeit der Hoffnung, sind aber schon über 10% der Gesamtbevölkerung arbeitslos. Nach kürzlich veröffentlichten Daten des Arbeitsamtes liegt die Rate bei den Roma aber noch viel höher, bereits dreiviertel der erwachsenen Roma sind nicht mehr beschäftigt. Ernest, z.B., ein 27 jähriger Rom aus Banska Bystrica, hatte mehrere Jahre in der Fabrik ZTS gearbeitet. Als nicht mehr genug Arbeit war, wurde er gekündigt: "Ich habe nie die Arbeit versäumt und immer gut gearbeitet, als sie aber Leute kündigen mußten, haben sie alle Roma auf einmal hinausgeworfen." Das ist nur eines von vielen Beispielen. Was Wunder, daß sich viele Roma da nicht zu ihrem Volk bekennen. Verliert jetzt einer seine Arbeit, hat er praktisch keine Chance eine neue zu finden. Viele Romafamilien leben nur mehr von Sozial- und Kinderbeihilfe. Das erbost die Gadsche, die selbst immer weniger verdienen, zunehmend. Meciar plant Sozialleistungen zu streichen.
Hat ein Rom keine Arbeit und auch keine Chance mehr eine zu bekommen, kommt schon auch vor, daß er den Mut verliert und seinen Kummer in Alkohol ertränkt. Läßt er sich dann etwas zu Schulden kommen, wird er vor Gericht viel schlechter behandelt als die Gadsche.
Die Häuser der Roma, vor allem im Osten des Landes, bestehen oft nur aus einem Raum ohne Wasser, ohne Elektrizität. Es gab schon Bestrebungen das Wohnungsproblem zu lösen, die meisten aber ohne auf die Bedürfnisse der Roma einzugehen. Am besten haben jene funktioniert, die von Roma selbst organisiert wurden. Geiza Orlet z.B. von der ROI Bewegung (Romska Obcianska Iniciativa) Aus Košice gründete 1990 die Fa. STAVRON und stellte Roma an, die sich dann auch ihre eigenen Häuser bauten. Auch allen guten Initiativen aber fehlt es immer mehr an den nötigen finanziellen Mitteln.
Mehrere politische Roma-Parteien und kulturelle Vereine wurden 1991 gegründet und von der Regierung auch unterstützt. Viele dürften aber wieder verschwinden, bevor sie sich richtig etablieren konnten. Derzeit werden noch 5 Zeitungen bzw. Zeitschriften veröffentlicht. Einmal wöchentlich wird ein 20 minütiges Programm "Romale" im Fernsehen ausgestrahlt und das Lokalprogamm von Prešov informiert auch in Romanes.
Im "Nationalitätenbüro" der Regierung waren die Roma derzeit durch Klara Orgovanova vertreten, ihre Möglichkeiten auf die unterschätzte Gefahr für die Roma aufmerksam zu machen, waren aber sehr beschränkt.
"Ich habe angefangen, mich mit der Frau zu streiten. Ich habe ihr gesagt, daß ich mich nicht wegen der lumpigen Kronen operieren lasse... Sie locken die Frauen mit Geld zur Sterilisation." Aus: "Die Roma - Hoffen auf ein Leben ohne Angst" RoRoRo Taschen- buch. Interview mit einer 25iährigen Romni, Košice, Slowakei
Photos: Renata Erich, Josef Koudelka
ROMANO CENTRO Nr. 02, 06/1993
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