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ROMA IN EUROPA
Viele unserer eigenen Kinder wissen nicht mehr und können sich auch gar nicht vorstellen, daß in den 40er Jahren unseres Jahrhunderts "Zigeuner" wie Juden in Konzentrationslager getrieben und Hunderttausende von ihnen vernichtet wurden. In manchen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, Österreich, aber auch Tschechien und Kroatien haben nur wenige überlebt. Was sie gesehen hatten, war so schrecklich, daß nur wenige darüber reden konnten. Eine davon ist unser Vorstandsmitglied Ceija Stojka. Auch sie berichtet, daß bis zum letzten Moment damals kaum jemand die tödliche Gefahr erkannt hatte.
Als 1945 dann offenbart wurde was in den Konzentrationslagern wirklich geschehen war, sind auch viele Gadsche erschrocken und konnten sich nicht vorstellen, daß jemals wieder ähnliches passieren wird. Schon bei der sogenannten Wiedergutmachung aber wurden die Roma wieder benachteiligt. Seither sind fast 50 Jahre vergangen. Was damals niemand gewagt hätte öffentlich auszusprechen, kann man schon wieder laut auf der Straße hören. "Hitler hat vergessen Euch zu vergasen."
Es sind nicht alle Gadsche, die so denken und in Österreich sind solche Reden verboten und werden bestraft, falls sich jemand findet, der sie anzeigt und beweisen kann.
Gar nicht weit hinter den Grenzen unseres Landes aber bleibt es schon nicht mehr nur bei Worten: In Rumänien wurden mehrere Romasiedlungen angezündet, in Ungarn erschoß vor wenigen Monaten ein Wächter zwei Roma, nur weil sie Fallobst gesammelt hatten, in Tschechien sind schon mehrere erschlagen worden. Es gibt auch wieder Lokale, die Roma keinen Zutritt gewähren.
Trotzdem gelten all diese Länder als "sichere" Länder. Österreich und Deutschland gewährt keinem ihrer Bürger Asyl und aus Deutschland werden Flüchtlinge nach Rumänien zurückgeschickt. In allen ehemals kommunistischen Ländern steigt gleichzeitig die Arbeitslosigkeit rapide, die Diktatoren von gestern haben die Wirtschaft ruiniert. Wieder sind es Roma, die zuerst ihre Arbeit verlieren. Leben sie dann schlecht genug von Kinderbeihilfe und Arbeitslosenunterstützung, werden sie schnell zu Prügelknaben, als seien sie schuld an der ganzen Misere.
Wir schildern das alles nicht um jemandem Angst zu machen, wir glauben aber, daß diese bedrohlichen Tatsachen auch uns nachdenklich machen sollten. Geht es irgendwann und irgendwo den Roma an den Kragen, dann wird wieder nicht unterschieden werden zu welcher Gruppe einer gehört und wo er wielange gelebt hat. Sind die Anzeichen nicht längst Grund genug für die Roma über alle Grenzen zusammenzuhalten.
Die Welt hat bis heute nicht zur Kenntnis genommen, daß in Europa an die 10 Millionen Roma leben. Oft ist es Regierungen und Institutionen gelungen, Roma Gruppen und Vereine gegeneinander auszuspielen. So verschieden unsere Traditionen und Sitten sein mögen, sind wir aber nicht alle Roma?
Wir werden uns bemühen in den folgenden Nummern unserer Zeitung über die Roma in einem unserer Nachbarländer ausführlich zuberichten.
Die Welt hat bis heute nicht zur Kenntnis genommen, daß in Europa an die 10 Millionen Roma leben.
Photos: Gerhard Maurer, Renata M. Erich
ROMANO CENTRO Nr. 01, 06/1993
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